Ärzte Zeitung online, 28.12.2010

Weitere sechs Millionen Euro für eine bessere Versorgung Leukämie-Kranker

HEIDELBERG (eb). Der vor drei Jahren geschlossene Kooperationsvertrag EUTOS (European Treatment and Outcome Study) für die chronische myeloische Leukämie (CML) geht jetzt in die Verlängerung. Novartis investiert in das Projekt noch einmal sechs Millionen Euro über einen Zeitraum von zwei Jahren, teilt die Universität Heidelberg mit.

EUTOS ist ein Projekt der public-private-partnership von Akademie (des an der Medizinischen Fakultät Mannheim angesiedelten und von der Europäischen Union geförderten European LeukemiaNet (ELN, Europäisches Leukämie-Netz) und Industrie (Novartis) im Dienste der europaweiten Forschung zu Leukämie.

In den vor drei Jahren zwischen den Partnern geschlossenen Kooperationsvertrag EUTOS (European Treatment and Outcome Study) für die chronische myeloische Leukämie (CML) investiert Novartis jetzt noch einmal sechs Millionen Euro über einen Zeitraum von zwei Jahren. Im Jahr 2007, nach Abschluss des initialen Vertrags, habe Novartis bereits 14 Millionen Euro zur Verfügung gestellt, berichtet die Universität Heidelberg.

Mit der Weiterführung ihrer Kooperation hätten die beiden Partner des EUTOS-Projekts ihre Erwartungen noch höher gesteckt, nämlich Patienten mit chronischer myeloische Leukämie durch weniger invasive Therapien als eine Knochenmarktransplantation oder durch eine Pharmakotherapie heilen zu können. Dies erscheine aus heutiger Sicht erreichbar. Und hierzu sei ein neues Projekt initiiert worden mit dem Titel: "Path to Cure" - Weg zur Heilung.

Als die Keimzelle des Projektes, die Studiengruppe CML, im Jahr 1982 gegründet wurde, betrug die erwartete mittlere Überlebenszeit von Patienten mit CML nur etwa drei bis vier Jahre. Heute nähert sie sich einer normalen Lebenserwartung an - nicht zuletzt durch die Aktivitäten des Europäischen Leukämienetzes und insbesondere durch Entwicklung und Einsatz des Tyrosinkinase-Inhibitors Imatinib von Novartis, heißt es in der Mitteilung der Universität. Neue, noch gezieltere Therapien wie der Wirkstoff Nilotinib - ebenso von Novartis - demonstrierten die Selbstverpflichtung beider Vertragspartner, die Perspektive für Patienten mit CML auch in Zukunft noch weiter zu verbessern - idealerweise bis hin zur Heilung.

Herzstück des EUTOS-Projektes ist ein europaweites Patientenregister zur CML, das weiter ausgebaut werden soll. Diese Datenbank ist die erste ihrer Art, die die Qualität der verschiedenen Therapien der CML in europäischen Ländern erfasst und damit auch ein Prognose-Modell ermöglicht. Da Leukämien eher seltene Erkrankungen sind, kann ein wirklich umfangreiches Register nur über eine internationale Zusammenarbeit aufgebaut werden. Um ein möglichst reales Bild des europaweiten Umgangs mit dieser Erkrankung zu erhalten, werden Patienten aus verschiedenen repräsentativen Regionen Europas erfasst. Das Register umfasst mittlerweile qualitäts-kontrollierte Daten von 4500 Erkrankten.

"Mit der Fortführung des Programms werden wir Zugang zur größten CML-Datensammlung haben, die jemals dokumentiert wurde", so Professor Rüdiger Hehlmann, der Koordinator des Europäischen Leukämie-Netzes.

Für die Analyse von Proben wie Blut oder Knochenmark stehen inzwischen in fast allen europäischen Ländern standardisierte Labors zur Verfügung. Hier werden im Blut der Patienten quasi einzelne Krebszellen mittels PCR-Technik detektiert und somit selbst minimale "Rest-Erkrankungen" auf molekularer Ebene nachgewiesen. Dadurch kann der Behandlungsplan individuell ausgerichtet und der Therapieerfolg kontrolliert werden.

Wichtig für die Vergleichbarkeit der erhobenen Laborbefunde in den verschiedenen Ländern ist, dass Methodik und Auswertung in allen Laboren standardisiert werden. Dabei soll auch die Sensitivität der Diagnostik noch weiter erhöht werden. Dieser Standardisierungs-Prozess läuft innerhalb des EUTOS-Projektes und umfasst derzeit für das molekulare Monitoring 59 standardisierte Labore in 28 Ländern. Damit ist die im Projekt ursprünglich vereinbarte Zahl mit neun zusätzlichen Labors klar übertroffen.

Das pharmakologische Monitoring der Therapie mit dem Tyrosinkinase-Inhibitor Imatinib, ebenfalls ein Projekt im Rahmen der Kooperation, wurde mit einer Publikation abgeschlossen.

Ein weiteres Projekt, das sich die Partner analog den Vorgaben der europäischen Kommission für multi-nationale europäische Projekte auf die Fahnen geschrieben haben, ist die Information und Aufklärung, die so genannte "Spread of Excellence". Das Projekt hat in den vergangenen drei Jahren dazu beigetragen, dass Ärzte und Wissenschaftler der beteiligten Länder auf dem Gebiet der chronischen myeloischen Leukämie kontinuierlich fortgebildet werden - durch jährliche Symposien, zahlreiche Vorträge europaweit, Aktionstage für junge Hämatologen, Schulungen sowie Informationsmaterial auch im Internet. Primär geht es darum, Ärzten und Wissenschaftlern Informationen viel leichter als bisher zugänglich zu machen. Aber auch die Information der Öffentlichkeit wird unterstützt.

Das an der Medizinischen Fakultät Mannheim der Universität Heidelberg angesiedelte Europäische Leukämie-Netz (ELN) ist eines der größten internationalen Kooperationsprojekte der Universität Heidelberg. Das ELN etablierte sich im Jahr 2002. Ab 2004 wurde es als Exzellenznetzwerk von der Europäischen Union gefördert. Die engere Zusammenarbeit der verschiedenen, bereits bestehenden Netzwerke in Europa verstärkte die wissenschaftlichen und technologischen Leistungen der Leukämie-Forschung.

Das "Network of Excellence" besteht aus über 1000 beteiligten Wissenschaftlern und Ärzten in 175 Institutionen und 33 Ländern, die sich darum bemühen, zeitnah das Wissen und die Expertise im Bereich der Leukämien und assoziierter Erkrankungen weiterzugeben. Die ELN-Mitglieder arbeiten weltweit und erstellen aktuelle und kritische Leitlinien für Therapieoptionen sowie Empfehlungen zu neuen Behandlungsmöglichkeiten. Bislang wurden mehr als 25 Management-Empfehlungen und Leitlinien zu Diagnose und Therapien veröffentlicht.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

So viel jünger und attraktiver macht Facelifting

Wer sein Gesicht straffen lässt, will in der Regel jünger und dynamischer aussehen. Das scheint tatsächlich zu klappen. mehr »

Niedrig dosiert starten und langsam erhöhen!

Die neue Gesetzeslage zur Verordnung von Cannabis auf Kassenkosten ist beim Schmerz- und Palliativtag begrüßt worden. Ärzte mit Erfahrung mit Cannabinoiden loben vor allem den Erhalt der Therapiefreiheit. mehr »

Obamacare bleibt!

Blamage für US-Präsident Donald Trump: In letzter Minute zogen die Republikaner die Abstimmung über die geplante Gesundheitsreform zurück. Gerade auch, weil die Zustimmung aus den eigenen Reihen fehlte. mehr »