Ärzte Zeitung, 22.12.2015

Auch langfristig erfolgreich

Chemoimmuntherapie bei Leukämie

Körperlich fitte, bisher unbehandelte Patienten mit chronischer lymphatischer Leukämie profitieren mehr von einer Chemoimmuntherapie als von einer Chemotherapie allein. Das spiegelt sich auch im Langzeitüberleben wider.

Von Peter Leiner

Chemoimmuntherapie bei Leukämie

Vor allem CLL-Patienten mit mutiertem IGHV-Gen profitieren von der Chemoimmuntherapie.

© Mathias Ernert, NCT, Heidelberg

KÖLN. Die Chemoimmuntherapie mit Fludarabin, Cyclophosphamid und Rituximab gilt als Standardtherapie bei neudiagnostizierten CLL-Patienten.

Langzeitergebnisse mit dieser Dreifachkombination im Vergleich zur Chemotherapie standen bisher noch aus.

Diese wurden jetzt anhand einer aktuellen Auswertung der 2003 begonnenen CLL-8-Studie nach einem Protokoll der deutschen CLL-Studiengruppe veröffentlicht.

An der prospektiven randomisierten Phase-III-Studie hatten 817 CLL-Patienten in körperlich guter Verfassung teilgenommen, die noch keine Therapie erhalten hatten (Blood 2015; online 20. Oktober).

Sie waren median 61 Jahre alt. 31 Prozent hatten eine CLL im Binet-Stadium C, 64 Prozent im Stadium B.

Mit einem Anteil von 63 Prozent hatten die meisten Patienten ein nicht mutiertes IGVH-Gen, was prognostisch ungünstiger ist.

Dabei handelt es sich um das variable Gen des "Immunoglobulin Heavy Chain Locus". Mit 8,2 Prozent hatten nur die wenigsten Patienten Leukämiezellen mit dem Genotyp del (17p).

Studie an 190 klinischen Zentren

Primärer Endpunkt der seit 2004 vom Unternehmen Hoffmann La-Roche unterstützten Studie an 190 klinischen Zentren in elf Ländern war das progressionsfreie Überleben (PFS).

Die Patienten erhielten insgesamt sechs Therapiezyklen von jeweils 28 Tagen. Appliziert wurden an den Tagen 1 bis 3 eines jeden Zyklus pro Tag 25 mg/m2 Fludarabin intravenös plus 250 mg/m2 Cyclophosphamid.

In der Dreifachkombi-Gruppe wurde Rituximab an Tag 0 des ersten Zyklus in einer Dosis von 375 mg/m2 und jeweils am Tag 1 der folgenden Zyklen in einer Dosis von 500 mg/m2 verabreicht.

Eine antivirale Prophylaxe oder die prophylaktische Gabe von G-CSF wurde nicht empfohlen. Dagegen wurde bei einer Neutropeniedauer von mehr als sieben Tagen die pharmakologische Prophylaxe einer Pneumonie durch Pneumocystis jiroveci (PcP, Pneumocystis-carinii-Prophylaxe) empfohlen.

In den ersten drei Jahren der Studie wurden die Patienten jedes Vierteljahr untersucht, in den Jahren 4 und 5 alle sechs Monate sowie jährlich bis zum achten Studienjahr.

Bei einem medianen Follow-up von 5,9 Jahren wurde in der Gruppe mit Dreifachkombination ein PFS von 56,8 Monaten, in der Vergleichsgruppe von 32,9 Monaten erreicht (Hazard Ratio [HR]: 0,59).

Bei den Patienten mit Chemoimmuntherapie wurde der Wert für den Parameter "Gesamtüberleben" noch nicht erreicht, in der Vergleichsgruppe lag er bei 86,0 Monaten (HR: 0,68 ).

Bei Patienten mit mutiertem IGHV-Gen waren sowohl PFS als auch Gesamtüberleben im Vergleich zu Patienten mit ausschließlicher Chemotherapie deutlich verbessert (HR: 0,47).

Nach fünf Jahren lebten nach der Dreifachkombination noch 66,6 Prozent der Patienten ohne Fortschreiten der Erkrankung, in der Vergleichsgruppe noch 36,2 Prozent.

Nach sechs Jahren Nachbeobachtungszeit lebten in der Gruppe mit Immuntherapie sogar noch 83 Prozent der Patienten.

Therapie je nach IGHV-Genstatus?

Auf die Gesamtansprechrate, die Rate kompletter Remissionen sowie auf den negativen Status der minimalen Resterkrankung hatte der IGHV-Genstatus keinen Einfluss.

Die Ergebnisse bei Patienten mit mutiertem IGHV-Gen könnten Anlass dafür sein, die Chemoimmuntherapie künftig an diesem Genmutationsstatus auszurichten.

Nach Angaben der Onkologen war der Anteil der Patienten mit verlängerter Neutropeniedauer innerhalb des ersten Jahres nach Behandlungsende in der Gruppe mit Rituximabtherapie signifikant höher (16,6 vs. 8,8 Prozent) als in der Gruppe mit Zweifachkombination.

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