Ärzte Zeitung, 13.02.2004

Tips zur altersgerechten Therapie bei Brustkrebs

Bisher wenig valide Daten zu Patientinnen über 65 Jahre

FRANKFURT AM MAIN (ner). Krebs ist überwiegend eine Erkrankung älterer Menschen. Doch auf die Frage, wie eine über 70jährige Patientin mit Brustkrebs behandelt werden sollte, lautet die Antwort: Man weiß es nicht genau. Denn obwohl etwa 50 Prozent aller Frauen mit Mammakarzinom bei der Diagnose älter als 65 Jahre sind, gibt es kaum valide Studiendaten speziell zu dieser Patientengruppe.

Daraus ergeben sich zwei Risiken - das der Unter- und das der Übertherapie. Eine zu geringe Behandlungsintensität könne verminderte Heilungs- und Überlebensraten bewirken, so die Freiburger Gynäkologin Privatdozentin Dr. Annette Hasenburg. Werden intensive Therapieprotokolle für junge Frauen unkritisch für ältere übernommen, können Morbidität und Mortalität durch unerwünschte Chemotherapie-Effekte erhöht werden. Hasenburg und ihr Frankfurter Kollege Professor Volker Möbus forderten daher bei einer Veranstaltung von Aventis in Frankfurt am Main mehr Studien, an denen jeweils nur ältere oder nur jüngere Patientinnen teilnehmen.

Hasenburg gab einige Tips für die Behandlung älterer Brustkrebs-Patientinnen. Zunächst sollte bedacht werden, daß die Lebenserwartung einer 70jährigen im Durchschnitt 15 Jahre beträgt und die einer 80jährigen noch neun Jahre. Noch wichtiger seien aber das biologische Alter und die Komorbidität. "Wenn eine Frau über drei Begleiterkrankungen hat, steigt ihr Risiko zu sterben um den Faktor 20", so Hasenburg. Außer Lebensqualität und Aufrechterhaltung der Unabhängigkeit unter der Therapie sind auch soziale und sozioökonomische Aspekte zu beachten. So können etwa Transportprobleme und komplizierte Behandlungsschemata die Compliance und so den Therapieerfolg beeinträchtigen.

Beim operativen Vorgehen sollten die gleichen Entscheidungskriterien gelten wie bei jüngeren Patientinnen, sagt Hasenburg. Entscheiden sich Arzt und Patientin für die brusterhaltende Op, sollte anschließend auch bestrahlt werden. Allen Frauen mit Hormonrezeptor-positiven Tumoren wird die adjuvante Hormontherapie empfohlen. Dies führt zu einer signifikanten Reduktion von Fernmetastasen und verbessert die Zehnjahres-Überlebensrate.

Eine adjuvante Chemotherapie sei auch noch bei über 70jährigen Frauen zu erwägen, wenn ein hochaggressiver Tumor mit Lymphknotenbefall vorliegt und die durchschnittliche Lebenserwartung mehr als fünf Jahre beträgt. Abzuwägen sei, ob die Frau eher an ihrer Krebserkrankung oder an Komorbiditäten sterben wird und ob andere Erkrankungen die Chemotherapietoleranz limitieren.

Bei Metastasen wird zunächst die sequentielle Hormontherapie empfohlen, wenn der Tumor hormonrezeptorpositiv ist. Bei rezeptornegativen Tumoren, Fortschreiten der Erkrankung oder großen viszeralen Metastasen gibt es chemotherapeutische Alternativen mit verminderter Toxizität, etwa die Applikation von Taxanen oder Anthrazyklinen sowie Capecitabin, Vinorelbin oder Gemcitabin.

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