Ärzte Zeitung, 19.03.2004

Biochips helfen zu besserer Therapie bei Brustkrebs

Ziel ist, Patientinnen für die Chemotherapie auszuwählen

FRANKFURT AM MAIN (ner). Viele Frauen mit Brustkrebs erhalten unnötig eine Chemotherapie. Das hat Privatdozent André Ahr aus Frankfurt am Main gesagt. Grund dafür sei die scheinbar ungünstige Prognose, die viele in Wirklichkeit gar nicht hätten. Derzeit wird intensiv danach gesucht, Marker zu finden, mit denen sich Frauen mit günstiger oder ungünstiger Prognose zuverlässig identifizieren lassen.

Mit der Kombination mehrerer Biomarker könnten in naher Zukunft schon vor Therapiebeginn jene Brustkrebs-Patientinnen ermittelt werden, die von einer Chemotherapie profitierten oder die nur mit den unerwünschten Wirkungen belastet würden, so Professor Manfred Kaufmann von der Universitätsfrauenklinik in Frankfurt am Main beim Frankfurter Kongreß "Gynäkologie und Geburtshilfe".

Bislang richtet sich das therapeutische Vorgehen nach einem relativ groben Raster prognostischer Faktoren wie Tumorgröße, Lymphknotenstatus, Alter der Frau oder Hormonrezeptorstatus. Dennoch kommt es bei etwa einem Drittel der Frauen ohne befallene Achsellymphknoten, also mit scheinbar guter Prognose, nach der Therapie zu einem Rezidiv. Zudem haben 20 bis 30 Prozent der Patientinnen mit befallenen Lymphknoten kein Rezidiv. Mit der prophylaktischen Chemotherapie werde versucht, allen betroffenen Frauen gute Überlebens-Chancen zu geben, so Kaufmann.

Nach Angaben von Ahr laufen weltweit Studien, in denen vor Therapiebeginn mit Hilfe von Genexpressionsanalysen bestimmte Marker aus Tumorgewebe-Proben untersucht werden. Die Genexpressionsmuster werden in Korrelation mit der Überlebensrate gesetzt oder es wird beobachtet, wie sich das Muster bei einer neoadjuvanten Chemotherapie ändert. Mitte letzten Jahres sei in den Niederlanden eine prospektive Studie gestartet worden, bei der solche Analysen mit Hilfe von Biochips bereits in die Therapieentscheidungen einfließen, sagte Ahr.

Wissenschaftler haben zudem eine starke Korrelation zwischen hohen uPA (Urokinase-type Plasminogen Activator)- und PAI-1 (Plasminogen Activator Inhibitor Typ 1)-Spiegeln und verminderter Überlebenszeit von Brustkrebs-Patientinnen ermittelt. Diese beiden Marker seien jedoch noch nicht für die klinische Routine geeignet, meint Kaufmann.

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