Ärzte Zeitung, 25.01.2005

Pegyliertes Doxorubicin ist besonders verträglich

Unerwünschte Wirkungen und Kardiotoxizität sind geringer als bei herkömmlicher Wirkstofformulierung

HAMBURG (awa). Anthrazykline sind als sehr aktive Substanzen längst Standard bei der Behandlung von Frauen mit Mamma-Ca. Das pegylierte liposomale Doxorubicin ist als Erstlinien-Therapie bei metastasiertem Brustkrebs ähnlich wirksam wie konventionelles Doxorubicin, wirkt aber deutlich weniger kardiotoxisch und verursacht selten Haarausfall. Auch bei Frauen, die nicht auf Taxane ansprechen, und bei Frauen, die mit Anthrazyklinen therapierten wurden, ist das modifizierte Doxorubicin wirksam.

Nur zwei Jahre nach der Zulassung werde das pegylierte liposomale Doxorubicin (Caelyx) sowohl in den evidenzbasierten Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft für gynäkologische Onkologie als auch in den S3-Leitlinien der Deutschen Krebsgesellschaft zur Therapie beim metastasierten Mamma-Ca empfohlen. Grundlage der Aufnahme in die Leitlinien sind die Ergebnisse zweier Zulassungsstudien, wie Professor Nadia Harbeck aus München berichtet hat.

In einer der Studien wurde bei 509 noch unbehandelten Patientinnen mit Mamma-Ca geprüft, ob das neue Doxorubicin (50 mg/m2 alle 4 Wochen) ebenso wirksam ist wie konventionelles Doxorubicin (60 mg/m2 alle 3 Wochen). Ein weiterer primärer Endpunkt war die Kardiotoxizität. Die Frauen erhielten die beiden Monotherapien jeweils bis zur Progression der Erkrankung oder bis zur inakzeptablen Toxizität, so Harbeck auf einer Veranstaltung des Unternehmens Essex in Hamburg.

Beide Therapien waren bei der progressionsfreien Überlebenszeit (6,9 Monate versus 7,8 Monate) und der Gesamtüberlebenszeit (21 versus 22 Monate) ähnlich wirksam, jedoch gab es mit dem modifizierten Doxorubicin signifikant weniger Alopezie, Übelkeit, Erbrechen, Neutropenie und Kardiotoxizität, aber mehr Hauttoxizität.

Das Risiko für eine Kardiotoxizität stieg mit konventionellem Doxorubicin ab einer kumulativen Dosis von 450 mg/m2, mit der pegylierten Formulierung nahm die Kardiotoxizität auch bei einer kumulativen Dosis von 1000 mg/m2 nicht zu. Hatten die Frauen adjuvant Anthrazykline erhalten oder einen kardialen Risikofaktor, war das Risiko der Kardiotoxizität mit konventionellem Doxorubicin stark erhöht.

Auch in der palliativen Therapie ist pegyliertes liposomales Doxorubicin eine wirksame und verträgliche Zweit- und Drittlinien-Therapie, wie eine weitere Studie belegt. 301 Patientinnen mit stark fortgeschrittenem metastasiertem Mamma-Ca, die auf eine Taxan-Therapie nicht ansprachen und meist schon Anthrazykline erhalten hatten, wurden mit pegyliertem Doxorubicin oder Vinorelbin oder Mitomycin/Vinblastin behandelt.

Alle drei Therapien waren bei Remissionsraten, progressionsfreiem Intervall und Gesamtüberlebensrate gleich wirksam. Bei Frauen, die noch nicht mit Anthrazyklinen behandelt waren, verlängerte das modifizierte Doxorubicin im Vergleich zu den anderen Therapien signifikant das progressionsfreie Intervall (5,8 versus 2,9 Monate).

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