Ärzte Zeitung, 19.12.2005

Nützt Taxan auch, wenn Lymphknoten frei von Krebs sind?

Docetaxel-basierte Chemotherapie bei Brustkrebs ohne Befall der Achsellymphknoten im Test / Frauen mit hohem Rezidivrisiko nehmen an Studie teil

FRANKFURT AM MAIN (grue). Das Taxan Docetaxel ist für die adjuvante Chemotherapie bei Frauen mit operiertem Mammakarzinom zugelassen, sofern bereits axilläre Lymphknoten befallen sind. In einer Studie wird nun untersucht, ob eine taxanbasierte Chemotherapie auch Frauen nützt, bei denen die Lymphknoten noch krebsfrei sind.

Bei sieben von zehn Frauen mit Brustkrebs hat der Tumor die Lymphknoten zum Zeitpunkt der Diagnose noch nicht infiltriert. Solche Frauen gelten nach der operativen Entfernung des Tumors als geheilt, weil davon auszugehen ist, daß sich noch keine Fernmetastasen gebildet haben. Allerdings: 30 Prozent dieser Frauen bekommen ein Rezidiv, besonders wenn der Primärtumor groß, schlecht differenziert oder stark vaskularisiert war.

Allein mit diesen Parametern läßt sich das Rezidivrisiko jedoch schlecht abschätzen, sagte Professor Nadia Harbeck von der Frauenklinik der TU München bei einem Workshop in Frankfurt am Main. Bei der Entscheidung für oder gegen eine adjuvante Therapie bei Frauen mit Lymphknoten-negativen Brusttumoren helfen die Tumormarker uPA (Urokinase-type Plasminogen Activator) und PAI-1 (Plasminogen Activator Inhibitor Typ 1) weiter.

Auch nach den neuen Therapieleitlinien der Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) sollen diese Marker bei Patientinnen mit nodal-negativem Mamma-Ca bestimmt werden. "Frauen mit erhöhten uPA/PAI-1-Werten haben häufiger Rezidive und profitieren deshalb stärker von einer adjuvanten Chemotherapie", so Harbeck bei einer Veranstaltung von Sanofi-Aventis.

In der NNBC-3-Studie werden an Brustkrebs erkrankte Frauen, deren Lymphknoten nicht befallen sind, entsprechend dem histologischen Befund und dem uPA/PAI-1-Status in zwei Gruppen eingeteilt: Frauen mit niedrigem Rezidivrisiko erhalten keine adjuvante Chemotherapie. Frauen mit hohem Risiko erhalten entweder sechs Zyklen Chemotherapie mit 5-Fluorouracil, Epirubicin und Cyclophosphamid (FEC) oder drei Zyklen dieser Kombination und danach drei Zyklen Docetaxel (Taxotere®).

Die sequentielle Therapie mit FEC gefolgt von Docetaxel sei recht vielversprechend, so Harbeck. Bei nodal-positivem Brustkrebs senkt eine solche Therapie signifikant die Rezidivrate, besonders bei solchen Frauen, bei denen nur wenige Lymphknoten von Krebszellen befallen sind.

"Wir gehen deshalb davon aus, daß die taxanhaltige Therapie auch Frauen ohne Lymphknotenbefall helfen kann", so Harbeck. In die NNBC-3-Studie wurden bisher 507 Frauen aus Deutschland aufgenommen.

Weitere Infos zur Studie unter Tel: 0 40/ 4 28 03 81 30, E-Mail-Adresse: nnbc3@uke.uni-hamburg.de

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