Ärzte Zeitung, 05.04.2006

Aromatase-Hemmer eignen sich für adjuvante Therapie nach Brustkrebs

Anastrozol hat sich in der Initial- und Sequenzbehandlung als vorteilhaft erwiesen

BERLIN (awa). Die adjuvante Hormontherapie bei Frauen in der Postmenopause mit Hormonrezeptor-positivem Brustkrebs ändert sich: Der einstige Standard Tamoxifen wird zunehmend von Aromatasehemmern abgelöst. Anastrozol eignet sich für die initiale Therapie und die Fortsetzung der Therapie nach zwei bis drei Jahren Tamoxifen.

"Aromatase-Hemmer sind ein neuer Standard für die adjuvante endokrine Brustkrebstherapie", betonte Professor Manfred Kaufmann aus Frankfurt am Main auf dem Deutschen Krebskongreß in Berlin. Nach seinen Angaben ist Anastrozol (Arimidex®) der Aromatase-Hemmer, der am meisten und längsten in Studien zur adjuvanten Therapie geprüft wurde.

In der ATAC-Studie war das rezidivfreie Überleben bei Frauen mit niedrigem und hohem Risiko, die fünf Jahre Anastrozol als initiale adjuvante Therapie erhielten, signifikant länger als bei Frauen, die Tamoxifen bekamen. Außerdem sei Anastrozol über den gesamten Zeitraum besser verträglich gewesen, sagte Kaufmann auf einer Veranstaltung des Unternehmens Astra Zeneca.

Anastrozol verringert das Rezidivrisiko gerade in den ersten zwei bis drei Jahren nach der Operation, wo es am größten ist. Daher empfiehlt Kaufmann, den Aromatasehemmer von Anfang an einzusetzen. Das läßt sich mit dessen uneingeschränkter Zulassung für die adjuvante Therapie vereinbaren.

Zudem sollten Frauen nach der Menopause mit hormonsensitivem Brustkrebs, die bereits seit zwei bis drei Jahren Tamoxifen erhalten, auf Anastrozol umgestellt werden. So hat eine Metaanalyse der Studien ARNO 95, ABCSG 8 und ITA für die Umstellung von Tamoxifen auf Anastrozol einen signifikanten Überlebensvorteil ergeben.

Bestätigt wurde dieses Resultat durch eine aktuelle Auswertung der Studie ARNO 95, an der 979 Patientinnen teilnahmen. Diejenigen Frauen, die nach zwei Jahren Tamoxifen auf den Aromatasehemmer umgestellt wurden, hatten im Vergleich zu den Frauen, die fünf Jahre lang Tamoxifen einnahmen, eine um 47 Prozent signifikant erhöhte Überlebenschance.

STICHWORT

ATAC-Studie

Die ATAC-Studie - das Akronym steht für Arimidex Tamoxifen Alone or in Combination - hat den Grundstein für die Aromatasehemmer gelegt: Darin wurde erstmals eine signifikante Reduktion des Rezidivrisikos durch Anastrozol im Vergleich zu Tamoxifen nachgewiesen. Nach sechs Jahren Beobachtung ist klar: Der Nutzen von Anastrozol nimmt langfristig noch zu; die Verträglichkeit bleibt gewahrt.

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