Ärzte Zeitung, 01.09.2006

"Alle sind klüger geworden im Kampf gegen Brustkrebs"

Fortschritt in Therapie und Diagnostik / Hoffnung auf verminderte Sterberaten / Monoklonale Antikörper wirken wie ein passiver Impfstoff

DRESDEN (ikr). In Deutschland erkranken jedes Jahr etwa 50 000 Frauen neu an Brustkrebs und etwa 19 000 sterben daran. Es gibt jedoch Hoffnung auf eine weitere Senkung der Sterberate durch Brustkrebs, sagt Professor Diethelm Wallwiener aus Tübingen.

Der Grund: "Alle sind klüger geworden im Kampf gegen Brustkrebs - sowohl Ärzte als auch Patientinnen", so der Gynäkologe. Auch diagnostische und therapeutische Verfahren haben sich verbessert. Ein wesentlicher Fortschritt ist für den Vorsitzenden der Deutschen Gesellschaft für Senologie die zunehmende interdiziplinäre Zusammenarbeit der Ärzte.

"Wenn in den zertifizierten Brustzentren Gynäkologen, Pathologen, Radiologen, Chirurgen, Strahlentherapeuten und internistische Onkologen Tür an Tür arbeiten, können wir unsere Therapieempfehlungen viel individueller gestalten", sagte Wallwiener bei der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie in Dresden.

    Interdisziplinäre Zusammenarbeit ermöglicht individuellere Therapie.
   

Wesentliches habe sich auch bei der Entwicklung neuer Medikamente getan. So gebe es jetzt "kluge" Arzneien wie den monoklonalen Antikörper Trastuzumab (Herceptin®), der nicht einfach alle Zellen abtötet, sondern im Gegensatz zu herkömmliche Mitteln zwischen Krebszellen und normalen Zellen differenzieren kann. "Die Substanz funktioniert etwa wie ein passiver Impfstoff, der sich gezielt an eine Antenne an der Krebszelle heftet und diese dadurch unschädlich macht", so Wallwiener.

Eine weitere wichtige Neuentwicklung sind für Gynäkologen die Aromatase-Hemmer zur Therapie bei Brustkrebs. Sie senken den Hormonspiegel und greifen in den Stoffwechsel der Krebszellen ein. Dies führt zur Zerstörung der Krebszellen. "Wir haben Hinweise, daß diese neuen Substanzen die Brustkrebstherapie verträglicher machen und zudem das Leben der Patienten verlängern können, sagte der Professor.

Auch die zunehmende Zusammenarbeit mit den Patientinnen, etwa über Selbsthilfegruppen, sei eine positive Entwicklung.

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