Ärzte Zeitung, 17.10.2006

Rezidive bei Brustkrebs häufen sich in den ersten drei Jahren

Gerade in den ersten Jahren ist Compliance wichtig / Erkrankte Frauen müssen über die Risiken eines Therapie-Abbruchs informiert sein

BERLIN (gvg). Bei Frauen mit Mammakarzinom sind die Rezidivraten in den ersten drei Jahren am höchsten. Deswegen sind in dieser Zeit eine gute Medikamententreue und eine effektive Therapie besonders wichtig.

Eine Assistentin macht bei einer jungen Frau eine Mammographie der rechten Brust. Foto: dpa

Darauf hat Professor Christian Jakisch vom Klinikum Offenbach auf dem Kongreß der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe in Berlin hingewiesen. So sei in den ersten drei Jahren jährlich bei fünf bis sechs Prozent der Frauen mit Rezidiven zu rechnen, die bei hormonrezeptorpositivem Brustkrebs mit Lymphknotenbefall eine antihormonelle Therapie mit Tamoxifen erhalten. Danach falle die Quote langsam ab.

Jakisch empfiehlt deswegen, von Beginn an mit Aromatasehemmstoffen zu therapieren. Das senke das Risiko verglichen mit einer Tamoxifen-Therapie noch einmal um etwa ein Viertel. Für Anastrozol (Arimidex®) wurde zum Beispiel in der ATAC-Studie (Arimidex Tamoxifen Alone or in Combination) nachgewiesen: In der Nachbeobachtungszeit von mittlerweile sechs Jahren erlitten von 100 Frauen sechs weniger ein Rezidiv als mit Tamoxifen. "Die mit Abstand höchste Risikoreduktion ist dabei in den ersten Jahren zu beobachten", so Jakisch auf der von AstraZeneca unterstützten Veranstaltung. Dies gelte für Frauen mit und ohne befallene Lymphknoten gleichermaßen.

Betreuende Ärzte sollten gerade in den ersten Jahren einer adjuvanten Therapie unbedingt auf die Compliance der Patientinnen achten. Darauf hat Professor Peyman Hadji von der Universität Marburg erinnert.

Außerdem müßten die Frauen über die Risiken eines Therapieabbruchs genau informiert werden. Bei 100 Patientinnen seiner eigenen Klinik hat Hadji durch Rezeptkontrollen nachgewiesen, daß etwa ein Viertel der Frauen nach durchschnittlich etwas mehr als einem Jahr die Medikamente unregelmäßig oder gar nicht mehr nahm.

"Ein wichtiger Grund für die Unbeständigkeit war, daß die Patienten nicht an die Notwendigkeit und den Nutzen der Therapie glaubten", so Hadji. Daher sollten die Kollegen ihre Patientinnen in Gesprächen vom Sinn der Therapie überzeugen.

Weitere Infos zu Diagnostik und Therapie bei Brustkrebs auf den Seiten der Deutschen Gesellschaft für Senologie unter www.senologie.org/leitlinien.htm oder unter www.aerztezeitung.de

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Mehr Metastasen

Immer mehr Männer mit Prostatakrebs in den USA haben schon bei der Diagnose Metastasen. Ihr Anteil hat sich fast verdoppelt. Auch die Inzidenz solcher Tumoren nimmt zu. mehr »

Deutsches Defizit

Diabetes-Prävention, Strategien gegen Polypharmazie, digitale Versorgungsangebote: Neue Initiativen gibt es zuhauf. Doch Patienten müssen davon wissen. Genauo daran hapert es aber. mehr »

"Einfache Ersttherapie ist für fast alle Patienten möglich"

Die antiretrovirale Therapie ist bei neu diagnostizierter HIV-Infektion stets angezeigt, und zwar unabhängig vom Stadium der Infektion oder der Helferzellzahl. mehr »