Ärzte Zeitung, 10.07.2007

Konsensus zu Brustkrebs-Therapie

Experten plädieren für Tamoxifen, gefolgt von Exemestan / Überzeugende Datenlage

LÜBECK (awa). Auf der internationalen Brustkrebs-Konferenz in St. Gallen votierte die Mehrheit der Experten für die sequenzielle Hormontherapie bei Frauen in der Postmenopause mit Brustkrebs im Frühstadium. Das heißt: Nach zwei bis drei Jahren Tamoxifen sollte auf einen Aromatasehemmer wie Exemestan umgestellt werden.

Darauf hat Professor Klaus Diedrich von der Universitätsklinik in Lübeck hingewiesen. Auch die deutsche Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) bewerte neben der fünfjährigen Tamoxifen-Therapie nunmehr die Sequenztherapie mit der höchsten Empfehlungsstufe, sagte der Gynäkologe auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie in Lübeck.

Grundlage der Empfehlungen seien unter anderem die Daten der IES (Intergroup Exemestane Study)-Studie. Zur Erinnerung: Mehr als 4700 Frauen mit Hormonrezeptor-positivem Mammakarzinom, die bereits seit zwei bis drei Jahren Tamoxifen erhielten, wurden entweder zwei bis drei Jahre weiter mit Tamoxifen behandelt oder aber auf den steroidalen Aromatasehemmer Exemestan (Aromasin®) umgestellt.

Mit der Sequenztherapie war die Rezidiv-Rate um 25 Prozent geringer als mit durchgehender Tamoxifen-Behandlung (339 versus 438 Ereignisse). Und es starben signifikant weniger Frauen (210 versus 251 Todesfälle), wie Diedrich auf einer Veranstaltung des Unternehmens Pfizer berichtet hat.

Ob die initiale Behandlung mit einem Aromatasehemmer ebenso effektiv wie die Sequenztherapie ist, wird zur Zeit in Studien untersucht. Bei der Konferenz in St. Gallen hat Diedrich zufolge die Expertengruppe mit fast zwei Drittel für die Sequenz votiert und mit einem Drittel für die initiale Aromatasehemmer-Therapie. Sechs Prozent stimmten für die erweiterte Hormontherapie, das heißt für eine bis zu fünfjährige Therapie mit einen Aromatasehemmer im Anschluss an fünf Jahre Tamoxifen.

Für Privatdozent Markus Schmidt vom Brustzentrum Mainz gibt es außer dem Östrogenrezeptor-Blocker Fulvestrant mit Exemestan nun auch eine weitere Optionen für Patientinnen, deren Erkrankung unter einem nicht-steroidalen Aromatasehemmer fortschreitet. In einer Studie erhielten 700 Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs nach einer initialen Therapie mit Anastrozol Exemestan oder Fulvestrant. Die Wirksamkeit beider Substanzen war ähnlich. Die Zeit bis zur Progression betrug jeweils 3,7 Monate und die Ansprechdauer 13,5 Monate unter Fulvestrant und 9,8 Monate unter Exemestan; der Unterschied war statistisch nicht signifikant.

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