Ärzte Zeitung, 17.01.2008

Vorteile für MRT bei sehr frühem Brust-Ca

MRT ist noch keine Alternative zum Mammografie-Screening per Röntgen

Durch ein flächendeckendes Mammografie-Screening kann der Anteil früh erkannter Gewebeveränderungen in der Brust verzehnfacht werden. Noch empfindlicher in der Detektion besonders früher Formen eines Mamma-Karzinoms ist die Magnetresonanztomografie. Das hat eine deutsche Studie mit über 7000 Frauen ergeben. Noch sei die MRT keine Alternative zum Röntgen, sollte längerfristig aber zur Früherkennung von Brustkrebs etabliert werden, so die Forscher.

Von Nicola Siegmund-Schultze

Per Vakuumbiopsie wird die Diagnose bei einem verdächtigen Befund in der Brust einer Patienten gesichert.

Foto: 3K

Das Mammografie-Screening in Deutschland als Maßnahme zur Früherkennung von Brustkrebs etabliert sich. Es zeichnet sich aber ab, dass es eine zuverlässigere Methode gibt, um Frühformen des Mammakarzinoms festzustellen: die Magnetresonanztomografie (MRT). Die Radiologin Professor Christiane Kuhl von der Universitätsklinik Bonn belegt die präzisere Früherkennung kleiner Tumoren mit guter Prognose - denn ihnen gilt das Brustkrebs-Screening in erster Linie - mit einer Studie. Dennoch: Die Mammografie sei derzeit als Basisuntersuchung zur Früherkennung unverzichtbar.

Das Ergebnis der MRT-Studie (Lancet 370, 2007, 485) fiel so eindeutig aus, dass es im Lancet-Editorial dazu heißt: "Die MRT ist nicht mehr nur eine Untersuchung, die die Mammografie ergänzt, sondern eine eigenständige Methode für die Suche nach Frühformen von Brustkrebs."

Fast alle Mammakarzinome beginnen neueren Erkenntnissen zufolge als so genannte duktale in-situ-Karzinome (DCIS) aus Epithelzellen der Milchdrüsengänge. Low grade DCIS bleiben vergleichsweise gutartig und verlassen den Milchdrüsengang manchmal nie. Die aggressiveren Formen (high grade DCIS) wandern fast immer aus den Milchdrüsengängen aus und entwickeln sich zu invasiven Karzinomen, die Lymphknoten und andere Körpergewebe befallen.

Durch MRT werden Frühformen von Mamma-Ca gut erkannt

Zwischen Anfang Januar 2002 und Dezember 2006 untersuchten Kuhl und ihre Kollegen 7319 Frauen. Die Studienteilnehmerinnen waren aus vier verschiedenen Gründen an das Bonner Brustkrebszentrum überwiesen worden: Entweder hatte ein Arzt einen auffälligen Befund bei der Röntgenuntersuchung festgestellt, oder es gab spürbare Zeichen für Brustkrebs. Oder die Frauen hatten ein erhöhtes erbliches Risiko für den Tumor. Andere kamen zur Vorsorge.

Die Bonner Forscher machten bei allen Frauen sowohl eine Mammografie als auch ein MRT. Bei 469 fanden sie einen bereits invasiv wachsenden Tumor. 167 Frauen hatten eine Frühform, ein DCIS, wie Gewebeproben bestätigten. Bei 153 von diesen Frauen, also bei 92 Prozent, wurde diese Frühform im MRT erkannt und bei 93 Frauen (56 Prozent) durch Mammografie.

89 Frauen hatten eine aggressive Form des DCIS. Diese hochgefährliche Vorstufe wurde zu 98 Prozent -nämlich bei 87 Frauen - durch MRT aufgespürt, aber nur zu 52 Prozent (46 Frauen) durch die Mammografie. Fast die Hälfte der aggressiven Frühformen wäre also übersehen worden, wenn lediglich eine Röntgenuntersuchung erfolgt wäre.

"Unsere Studie räumt mit gängigen Lehrbuchmeinungen auf", sagt Kuhl. "Es ist immer behauptet worden, die MRT eigne sich nicht, um Brustkrebsvorstufen in den Milchgängen zu finden. Das Gegenteil ist richtig: Die MRT ist bei weitem empfindlicher als die Mammografie, wir haben doppelt so viele aggressive Frühformen gefunden als durch die Röntgenuntersuchung."

Falsch positive Befunde bei MRT seltener als bei Röntgen

Der zweite Irrtum sei, die MRT löse zu häufig Fehlalarm aus, habe also zu oft ein falsch-positives Ergebnis. Dieser Vorwurf wird auch der Mammografie gemacht.

Jede achte Frau in der Studie der Bonner Radiologen musste sich der Entnahme einer Gewebeprobe per Vakuumbiopsie unterziehen. Dabei wird über eine dünne Hohlnadel verdächtiges Gewebe angesaugt und histologisch untersucht. Bei 52 Prozent des nach einer auffälligen Mammografie entnommenen Gewebes fand sich ein Tumor sowie bei 59 Prozent der Frauen, denen aufgrund eines verdächtigen MRT-Befundes Drüsengewebe entnommen worden war.

"Bei unseren Patientinnen war also ein Fehlalarm seltener nach der Kernspinuntersuchung als nach Mammografie", resümiert Kuhl die Studienergebnisse. Zugleich sei die Sicherheit der MRT höher: Bei 74 der Frauen mit einem DCIS (44 Prozent) ließ sich die Brustkrebsvorstufe nicht mit Mammografie erkennen; aber nur bei 14 Frauen (acht Prozent) wurde eine solche Frühform im MRT übersehen.

Den Grund für diese Unterschiede sehen die Wissenschaftler darin, dass es bei DCIS kleinste Kalkablagerungen in den Milchgängen geben kann (Mikrokalzifizierungen), die nur per Röntgen, nicht aber per MRT sichtbar werden. Gerade die schnell wachsenden, aggressiven Vorstufen aber machen sich offenbar häufig nicht durch Mikrokalzifizierungen bemerkbar. Deshalb werden gerade sie vermutlich seltener durch Mammografie und zuverlässiger durch MRT aufgespürt.

Kuhl sieht noch ein weiteres Vorurteil gegenüber der MRT ausgeräumt, nämlich dass sich diese Untersuchung nur für Frauen mit erhöhtem Risiko eigne. "Viele unserer Studienteilnehmerinnen haben sich im Rahmen der ganz normalen Krebsvorsorge beteiligt. Die MRT kann die Diagnose von Brustkrebsfrühstadien bei allen Frauen verbessern, nicht nur bei Risikopatientinnen", meint Kuhl.

Dennoch möchte die Radiologin ihre Ergebnisse nicht als Argument gegen das laufende Mammografie-Screening verstanden wissen. "Die Mammografie ist als Basisuntersuchung zur Früherkennung unverzichtbar", so Kuhl. Die MRT sei teurer und aufwändiger und für den flächendeckenden Einsatz beim Brustkrebs-Screening derzeit nicht reif. "Die Methode wird bei Brustuntersuchungen noch zu selten von den Krankenkassen bezahlt und angewandt, als dass Radiologen damit ausreichend Erfahrung hätten sammeln können", meint Kuhl.

MRT könnte sich zur Früherkennung etablieren

DCIS lassen sich operativ entfernen, die Frauen werden geheilt. In Ländern, die ein Mammografie-Screening eingeführt haben, hat sich der Anteil solch früh erkannter Gewebeveränderungen von 2 auf 20 Prozent verzehnfacht unter Frauen, die bösartig wachsende Zellen in der Brustdrüse hatten. "Jetzt Frauen vom Mammografie-Screening abzuraten, wäre zu ihrem Nachteil, weil mit der Mammografie erstmals flächendeckend eine Vorsorgeuntersuchung mit gleichbleibend hoher Qualität angeboten wird", sagt Kuhl. "Längerfristig aber wäre es sinnvoll, auch die MRT für die Früherkennung von Brustkrebs zu etablieren."

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