Ärzte Zeitung online, 19.05.2009

Studienergebnis: Akzeptanz des Mammografie-Screenings ist hoch

BONN (eb). Im Vorfeld ihrer Jahrestagung veröffentlicht die Deutsche Gesellschaft für Senologie erste Ergebnisse einer repräsentativen, wissenschaftlich begleiteten Studie zur Inanspruchnahme des Mammografie-Screenings. Ein Ergebnis: Das Mammografie-Screening wird von allen Früherkennungsmaßnahmen als die sicherste eingeschätzt.

Seit dem Allparteienbeschluss des Deutschen Bundestages im Jahr 2002 steht das Mammografie-Screening im Blick- und Kritikfeld des öffentlichen Interesses. Für die bundesweite Implementierung nach Europäischen Leitlinien wurde die Kooperationsgemeinschaft Mammografie eingerichtet. Sie musste neue Strukturen schaffen, personelle und technische Qualität definieren und kontrollierbar machen sowie ein schriftliches Einladungssystem mit dem Datenschutz in Einklang bringen.

Die Women's Health Coalition (WHC) und der Bundesverband Frauenselbsthilfe nach Krebs haben mit finanzieller Unterstützung des Bundesministeriums für Gesundheit von Juli bis November 2008 eine wissenschaftlich begleitete Studie zum qualitätsgesicherten Mammografie-Screening durchführen lassen. Mit der Abwicklung war das Institut Compagnon Stuttgart beauftragt. Die Befragung erfolgte in zehn Bundesländern, in denen das Mammografie-Screening seit mindestens einem Jahr lief. Zielsetzung und Hauptfragestellungen der Studie waren: Motivation für die Teilnahme am Mammografie-Screening, Ermittlung der Gründe für die Nicht-Inanspruchnahme des Screenings, erste Erfahrungen von Teilnehmerinnen, Identifizierung von Wissens- und Informationsdefiziten für die weitere Kommunikationsstrategie.

Im Verlauf der Studie wurden 68 188 Haushalte nach dem Zufallsprinzip telefonisch kontaktiert. Hieraus wurde eine Stichprobe von 9004 Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahren rekrutiert, an die ein sechsseitiger strukturierter Fragebogen versandt wurde; 3226 Fragebogen flossen zurück.

Das Mammografie-Screening wird von allen Früherkennungsmaßnahmen als die sicherste eingeschätzt und von 81 Prozent der Teilnehmerinnen und 66 Prozent der Nichtteilnehmerinnen in seinem Nutzen höher eingeschätzt als das Risiko der Strahlenbelastung. 89 Prozent der Teilnehmerinnen und 76 Prozent der Nicht-Teilnehmerinnen hatten mehr Vertrauen durch die Beurteilung von zwei Experten, für 88 Prozent der Teilnehmerinnen erleichterten das Einladungsschreiben und die Terminvorgabe die Teilnahme am Mammografie-Screening. Das Screening erhöht nach Meinung von 94 Prozent der Teilnehmerinnen und 88 Prozent der Nicht-Teilnehmerinnen die Heilungschancen bei Brustkrebs durch eine frühe Diagnose. Das Screening wird keineswegs als unpersönliche Massenabfertigung angesehen.

Die konsultierten Haus- und Frauenärzte haben ebenfalls eine positive Einstellung zum Mammografie-Screening Die Frauenärzte beispielsweise haben den Teilnehmerinnen zu 91 Prozent zugeraten, 8 Prozent waren neutral, 1 Prozent hat abgeraten. Bei den Nicht-Teilnehmerinnen haben 74 Prozent der Frauenärzte zugeraten, 22 Prozent waren neutral und 4 Prozent haben abgeraten.

Die Mehrzahl der befragten Frauen hat bereits Erfahrungen mit einer Mammografie. Die erbliche Vorbelastung wird als Hauptfaktor für die Entstehung von Brustkrebs angesehen. 60 Prozent der Befragten wissen nicht, dass Brustkrebs und Alter in einem Zusammenhang stehen. Sie glauben, dass Mammografie-ScreeningBrustkrebs verhindern kann. Die befragten Frauen wollen mehr Informationen über die Sicherheit des Befundes haben, den Unterschied zur bisherigen Mammografie, die Verwendung ihrer Daten und zu den gesundheitlichen Risiken des Mammografie-Screenings. In diesen Bereichen liegt ein Verbesserungspotenzial.

Die Akzeptanz des Mammografie-Screenings ist hoch, wie sich in der Teilnahmerate zeigt: 66 Prozent der eingeladenen Frauen haben am Mammografie-Screening teilgenommen. Wenn es mit einer Aussage bewertet werden sollte, dann mit dieser: 90 Prozent der Teilnehmerinnen würden wieder teilnehmen und 89 Prozent würden es einer Freundin oder Bekannten weiterempfehlen.

Die Veröffentlichung der Studie erfolgt im 3. Quartal 2009.

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