Sonntag, 20. April 2014
Ärzte Zeitung online, 16.06.2009

Diät und Bewegung können Brustkrebs verhindern helfen

DÜSSELDORF (eb). Frauen, die schlank und körperlich aktiv sind, erkranken seltener an Brustkrebs. Und bereits erkrankte Frauen, die auf ihr Gewicht achten und sich regelmäßig bewegen, haben größere Chancen, wieder gesund zu werden. Das sind zwei der wesentlichen Botschaften, die von der 29. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Senologie in Düsseldorf ausgehen.

Foto: Esther Hildebrandt ©www.fotolia.de

"Regelmäßige Bewegung ist Prophylaxe und Therapie gleichermaßen", sagte Kongresspräsident Professor Ulrich Kleeberg aus Hamburg. "Wir wissen seit Menschengedenken, dass körperliche Aktivität unser Befinden verbessert. Aber wir wissen erst seit einigen Jahren, dass Bewegung unser hormonelles System beeinflusst. Ein Zuviel an Hormonen wie dem Insulin, das auch bei Diabetes eine maßgebliche Rolle spielt, kann sowohl die Krebsentstehung begünstigen als auch das Krebswachstum fördern." um Beispiel steigert häufiger Genuss von Süßigkeiten die körpereigene Produktion von Insulin und sogenannten Insulin-Wachstumsfaktoren und erhöht damit das Risiko, Brustkrebs zu bekommen - bei stark übergewichtigen Frauen sogar um das Doppelte.

Eine Diät allein, das haben verschiedene Studien belegt, reicht zur Risikoreduktion nicht aus. Erst die Kombination aus regelmäßiger körperlicher Aktivität und begrenzter Kalorienzufuhr senkt den Blutzuckerspiegel und damit auch die Brustkrebsgefahr nachhaltig. Brustkrebs-Spezialisten empfehlen, fünf Mal wöchentlich für mindestens 30 Minuten aktiv zu werden. "Die Frauen müssen keinen Leistungssport betreiben. Zügiges Gehen ist sehr wirksam; aber auch schon Gartenpflege und die Arbeit im Haushalt haben ihren Effekt", Kleeberg. Beim Essen ist es neuen Studien zu Folge unerheblich, ob Fette, Ballaststoffe oder Eiweiß eingespart wird - Hauptsache, die Kalorienzufuhr wird überhaupt begrenzt.

Bei bereits erkrankten Frauen hat der Lebensstil Einfluss auf den Verlauf der Erkrankung. Weniger Essen und regelmäßige Bewegung können die Krebssterblichkeit und das Risiko, dass der Krebs nach erfolgreicher Behandlung wieder zurück kommt, um die Hälfte reduzieren. Kleeberg: "Damit hat eine gesunde Lebensführung praktisch die gleiche Wirksamkeit wie die modernen medikamentösen Behandlungsverfahren."

In Deutschland gibt es inzwischen 230 zertifizierte Brustzentren, in denen Ärzte verschiedener Fachrichtungen (Gynäkologie, Radiologie, Chirurgie, Pathologie, Innere Medizin, Radioonkologie und Plastische Chirurgie) Patientinnen mit Brustkrebs behandeln. "Nur in solchen interdisziplinären Einrichtungen ist es möglich, die jeweils aktuellsten Erkenntnisse zu Diagnostik und Therapie, ihre Ursachenforschung, Früherkennung und Nachsorge in Kooperation mit den Selbsthilfeinitiativen zu bündeln", sagte Professor Diethelm Wallwiener, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Senologie und Ärztlicher Direktor der Universitätsfrauenklinik Tübingen. Der Erfolg, so Wallwiener, gebe den Initiatoren Recht: Mehr als 80 Prozent der Brustkrebspatientinnen werden inzwischen in zertifizierten Zentren mit geprüfter Qualität behandelt - Tendenz steigend. "Die Frauen in Deutschland haben mit den Füßen abgestimmt", freute sich Wallwiener.

Das 2002 in Deutschland eingeführte Mammografie-Screening hat sich sehr erfolgreich entwickelt: 66 Prozent der Frauen zwischen 50 und 69 Jahren, die alle zwei Jahre per Post zu der Röntgenuntersuchung eingeladen werden, nehmen an der Früherkennungsuntersuchung teil. Mit dem Verlauf und Ergebnis der Untersuchung sind 90 Prozent so zufrieden, dass sie auch beim nächsten Mal wieder mitmachen wollen, 89 Prozent würden die Untersuchung auch einer Freundin oder Bekannten empfehlen. Das sind Ergebnisse einer ersten Studie, die von der Frauenselbsthilfe nach Krebs und der Women's Health Coalition (WHC) durchgeführt wurde (wir berichteten).

An der Befragung haben sich 3 226 Frauen beteiligt. "Wir haben aber gleichzeitig auch ein großes Wissens- und Informationsdefizit bei den Frauen festgestellt", erklärte Hilde Schulte, Bundesvorsitzende der Frauenselbsthilfe. "Mehr als jede zweite von ihnen glaubte, dass mit dem Screening Brustkrebs verhindert werden kann. Das ist mit einer Untersuchungsmethode natürlich nicht möglich. Hier ist insgesamt noch viel Aufklärungsarbeit notwendig, aber wir befinden uns auf einem guten Weg."

"Wir haben die beste Versorgung von Brustkrebspatientinnen auf der ganzen Welt!" Diese optimistische Auffassung vertrat Professor Rolf Kreienberg, Ärztlicher Direktor der Universitätsfrauenklinik Ulm und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG). Leitlinien, die Ärzten eine qualitätsgesicherte Diagnose und Therapie ermöglichen und auch für Patientinnen verständlich sind, zertifizierte Brustzentren, ein Krebsregister und umfassende Nachsorgeprogramme (sogenannte Disease Management Programme, DMP) seien die Eckpfeiler einer optimalen Betreuung von Brustkrebspatientinnen. "All das haben wir, die Strukturen sind da", so Kreienberg.

Lesen Sie dazu auch:
Jede zweite Frau glaubt, dass Mammografie Krebs verhindert

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