Ärzte Zeitung online, 28.07.2009

Gentest soll Risikobewertung bei Brustkrebs verbessern

MÖNCHENGLADBACH(eb). Um eventuell noch im Körper vorhandene Tumorzellen zu zerstören, bekommen viele Brustkrebs-Patientinnen nach der Operation eine Chemotherapie. Wissenschaftlicher vom Brustzentrum Niederrhein in Mönchengladbach prüfen nun, ob man Frauen mit Brustkrebs im Frühstadium diese belastende Therapie durch einen Gentest ersparen kann, ohne die Heilungschancen der Patientinnen zu verringern.

Ärzte beurteilen das Risiko einer Brustkrebs-Patientin, dass der Krebs nach der Operation wieder auftreten könnte, anhand von verschiedenen Faktoren. Dazu zählen unter anderem das Alter der Patientin, die Tumorgröße und ob sich bereits Krebszellen in den Lymphknoten angesiedelt haben. Wenn das Wiedererkrankungsrisiko hoch ist, bekommen Brustkrebs-Patientinnen eine Chemotherapie. Ein neuer Gentest soll zukünftig zuverlässigere Aussagen darüber liefern, wie wahrscheinlich das Auftreten eines Rückfalls ist. Dadurch könnte bei einigen Frauen möglicherweise auf die belastende Therapie verzichtet werden.

"Im Rahmen der MINDACT-Studie bestimmen wir bei den Patientinnen das genetische Profil ihres Tumors", erklärt Professor Ulrike Nitz, Leiterin des Brustzentrums Niederrhein. Sie koordiniert diese internationale Studie in Deutschland. "Denn jeder Tumor hat seinen eigenen charakteristischen 'molekularen Fingerabdruck‘, anhand dessen man das Risiko für eine Wiedererkrankung abschätzen kann." Die Forscher ermitteln das genetische Profil mit der sogenannten Microarray-Technologie. Mit dieser Technik lassen sich viele tausend Gene gleichzeitig analysieren. Frauen, bei denen das Risiko eines Rückfalls hoch ist, können an der MINDACT-Studie teilnehmen.

Ein Zufallsgenerator entscheidet dann über die Durchführung einer Chemotherapie. Diese sogenannte Randomisierung ist ein wichtiges Kriterium für die Aussagefähigkeit einer Studie. So soll festgestellt werden, ob der neue Gentest das Wiedererkrankungsrisiko einer Brustkrebs-Patientin tatsächlich zuverlässig voraussagt. "Wir nehmen an, dass wir etwa 20 Prozent der Frauen eine belastende Chemotherapie ersparen können, ohne eine Verschlechterung der Überlebensraten in Kauf nehmen zu müssen", so Nitz.

Die MINDACT-Studie richtet sich an Betroffene mit Brustkrebs im Frühstadium, deren Tumoren noch nicht gestreut haben. Alle Patientinnen werden engmaschig überwacht, unabhängig davon, ob sie eine Chemotherapie erhalten. Die Teilnahme ist freiwillig. Das klinische Forschungsprojekt steht unter der Aufsicht der Europäischen Organisation für Forschung und Behandlung von Krebs in Belgien und wird in Kooperation mit mehreren europäischen Organisationen durchgeführt. Die Deutsche Krebshilfe unterstützt die Studie, die auf zehn Jahre angelegt ist, mit mehr als einer Million Euro. Europaweit sollen im Rahmen der Studie 6000 Patientinnen untersucht werden.

Weitere Informationen zu dem Projekt sind zu finden unter www.wsg-online.com

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Mehr Metastasen

Immer mehr Männer mit Prostatakrebs in den USA haben schon bei der Diagnose Metastasen. Ihr Anteil hat sich fast verdoppelt. Auch die Inzidenz solcher Tumoren nimmt zu. mehr »

Deutsches Defizit

Diabetes-Prävention, Strategien gegen Polypharmazie, digitale Versorgungsangebote: Neue Initiativen gibt es zuhauf. Doch Patienten müssen davon wissen. Genauo daran hapert es aber. mehr »

"Einfache Ersttherapie ist für fast alle Patienten möglich"

Die antiretrovirale Therapie ist bei neu diagnostizierter HIV-Infektion stets angezeigt, und zwar unabhängig vom Stadium der Infektion oder der Helferzellzahl. mehr »