Ärzte Zeitung online, 17.02.2010

Neue Erkenntnisse für die Brustkrebsbehandlung

STUTTGART (eb). Für die Therapie von Brustkrebs hat sich der Einsatz von Antiöstrogenen wie dem Wirkstoff Tamoxifen als sehr erfolgreich erwiesen. Bei rund 30 Prozent der Patientinnen kommt es jedoch nach einer Langzeitbehandlung zu Rückfällen. Einen wesentlichen Mechanismus, der hinter dieser nachlassenden Wirksamkeit steht, konnte nun eine Arbeitsgruppe der Uni Stuttgart zeigen.

Die Erkenntnisse des Teams um Dr. Margarete Fischer vom Robert-Bosch-Krankenhaus (RBK) in Zusammenarbeit mit dem Institut für Zellbiologie und Immunologie der Uni Stuttgart bilden die Basis für die Modifikation bestehender antiöstrogener Medikamente oder die Entwicklung eines neuen Medikaments, das der nachlassenden Wirkung der eingesetzten Antiöstrogene vorbeugt.

"Ein Grund für das erhöhte Rückfallrisiko nach einer langjährigen antiöstrogenen Behandlung liegt offensichtlich darin, dass die natürliche Immunantwort des Körpers lokal in der Tumorumgebung gehemmt wird", so Professor Cornelius Knabbe, Leiter der Arbeitsgruppe. "Verantwortlich für diese Hemmung ist der Transformierende Wachstumsfaktor Beta (TGF-ß), ein Protein, das die Brustkrebszellen bei andauerndem Einsatz von Antiöstrogenen vermehrt produzieren."

TGF-ß wirkt immunsuppressiv, sodass die Zellteilung zwar teilweise weiterhin gehemmt wird, der Tumor aber nicht mehr vom Immunsystem bekämpft werden kann und erneut wächst. Dieser Effekt trägt zum Therapieversagen nach langfristiger Anwendung bei (Cancer Research 70, 2010, 1314).

"Der nächste Schritt wird sein, nach einem geeigneten Wirkstoff zu suchen, der diesem Mechanismus entgegenwirkt", so Knabbe. "Vorstellbar ist, das seit bereits mehr als 30 Jahren erfolgreich eingesetzte antiöstrogene Mittel Tamoxifen so zu modifizieren, dass es die Immunantwort des Körpers zusätzlich stimuliert. Ein anderer Weg wäre, ein zusätzliches Medikament zu entwickeln, das simultan zur Wirkung des Tamoxifen das Protein TGF-ß in seiner immunsuppressiven Wirkung neutralisiert."

Östrogene, die natürlich im Körper gebildet werden, können das Wachstum von Tumoren fördern, wenn deren Gewebe bestimmte Rezeptoren für Hormone aufweist. Durch den Einsatz von Antiöstrogenen wird diese wachstumsfördernde Wirkung unterdrückt. Unterstützend wirkt dabei der natürliche Schutzmechanismus des Immunsystems, das einen Tumor erkennt und abtötet.

Zum Abstract der Originalpublikation "Antiestrogens Induce Transforming Growth Factor ß-Mediated Immunosuppression in Breast Cancer"

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