Per E-Mail erhielten wir eine Pressemitteilung des Referenzzentrums Mammographie München, die von der Leiterin des Zentrums, Frau Prof. Dr. med. Sylvia Helen Heywang-Köbrunner, unterschrieben ist:
Eine kürzliche Pressemitteilung von Prof. Dr. C. Kuhl hat leider zu erheblicher Verunsicherung über Brust-Bildgebung geführt. Die Daten von Frau Prof Kuhl und 3 weiteren Universitäten betreffen 687 Hochrisikopatientinnen, bei denen insgesamt 25 Brustkrebserkrankungen gefunden wurden.
Allgemein ist zu bemerken, dass Hochrisikopatientinnen aufgrund vom Erkrankungsalter, der Drüsenkörperdichte und auch wegen zum Teil anderer Tumorarten nicht mit der Normalpopulation vergleichbar sind.
Internationale Arbeiten (an mehreren Tausend Hochrisiko-Patientinnen und mehreren hundert Brustkrebserkrankungen) bestätigen, dass bei dieser speziellen Fragestellung (Hochrisikopatientinnen!) die meisten Brustkrebserkrankungen durch MRT gefunden werden können. Die internationalen Daten belegen aber auch, dass bei ca. 10%
dieser Patientinnen allein durch Mammographie der Brustkrebs gefunden wurde.
Die internationalen Empfehlungen zum Einsatz aller Bildgebungsmethoden bei Hochrisiko bleiben damit bestehen.
Diese Empfehlungen, die kontinuierlich geprüft und angepasst werden, beruhen auf internationalem und interdisziplinärem Konsens über die Wertigkeit aller Verfahren in der Brustdiagnostik.
Der aktuellste internationale interdisziplinäre Konsensus wurde von der europäischen Brustkrebsgesellschaft EUSOMA (European Society of Mastology) verabschiedet und befindet sich im European Journal of Cancer in Druck (Sardanelli et al. EJC 2010).
Zusammenfassend ist die aktuelle internationale Bewertung nach folgende:
- MRT wird (zusammen mit zumindest Mammographie ab dem 30. Lebensjahr) bei Hochrisiko empfohlen.
- Für den Einsatz von MRT bei der Früherkennung bei mittlerem Risiko besteht derzeit ungenügende Evidenz.
- Vom Einsatz der MRT bei Früherkennung bei geringem oder fehlendem Risiko wird international abgeraten.
Ab dem 50. Lebensjahr wird international Mammographiescreening weiterhin als Methode der Wahl empfohlen.
Ob eine Methode bei einer gegebenen Fragestellung einsetzbar ist, hängt von Vor- und Nachteilen und von der Reproduzierbarkeit der Ergebnisse ab.
Als diejenige, die Mamma-MRT weltweit eingeführt und etabliert hat, wünsche ich mir, dass die Methode, ihren Fähigkeiten entsprechend eingesetzt wird, also bei Problemfällen die Palette der Möglichkeiten weiterhin ergänzt und bereichert.
Die Propagierung eines generellen Einsatzes der MRT für Früherkennung ist zu diesem Zeitpunkt aus Gründen von Qualitätssicherung, Reproduzierbarkeit und fehlenden Daten zu Wirkung und Nebenwirkung unverantwortlich.
Prof. Dr. med. Sylvia Helen Heywang-Köbrunner
Leiterin RZ München
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