Ärzte Zeitung online, 08.03.2010

Professoren betonen Wichtigkeit der Mammografie

MÜNSTER (eb). Vor Kurzem wurden im Journal of Clinical Investigation Daten zum Nutzen der Mammografie für Frauen mit erhöhtem Brustkrebs-Risiko veröffentlicht. Die Ergebnisse dieser sogenannten EVA-Studie wurden aus Sicht mehrerer deutscher Universitäts-Professoren missverständlich dargestellt.

Die Professoren der Uniklinik Münster, der Berliner Charité und der Uniklinik Tübingen haben daher in einer Pressemitteilung einen Kommentar veröffentlicht. Darin bemängeln sie unter anderem, dass ein komplexer Sachverhalt missverständlich auf folgende Thesen reduziert worden sei:

  • Es scheine auszureichen, Risiko-Patientinnen einmal jährlich mittels MRT zu untersuchen.
  • Bei Durchführung einer MRT seien Mammografie oder Sonografie unnötig.
  • Würde eine MRT gemacht, so sei der Nutzen der Mammografie bei diesen Frauen gleich Null. Damit könne - und solle - die Mammografie bei diesen jungen Frauen unterbleiben.

Richtig ist einerseits, schreiben die Professoren weiter, dass die Erkennung von zwei weiteren Brustkrebsfällen durch die Röntgen-Mammografie keinen statistisch signifikanten Unterschied erbrachte. Richtig sei aber andererseits auch, dass angesichts der insgesamt nur geringen Fallzahl (27 Brustkrebsfälle) eine endgültige Bewertung allein nach formal-statistischen Kriterien nicht zulässig ist. Es sei zu beachten, dass die Kombination von MR-Mammografie und Röntgen-Mammografie in der vorliegenden Studie eine Sensitivitätssteigerung auf 100 Prozent erbrachte.

Vor dem geschilderten Hintergrund halten es die an der Studie beteiligten Wissenschaftler des Standorts Münster in Übereinstimmung mit anderen Wissenschaftlern für nicht zulässig, die Röntgen-Mammografie aus der Früherkennung des familiären Brustkrebses generell zu streichen. Diese Sichtweise entspräche weder dem Konsens der aktiv beteiligten Autoren der Multicenter-Studie noch dem Inhalt der Publikation. Wie in der Originalarbeit diskutiert, sollte die Rolle der Mammografie in der Früherkennung bei Frauen unter 40 Jahren seitens der Fachgesellschaften weiterhin kritisch evaluiert werden.

Zusammenfassend weisen die Kommentatoren darauf hin, dass sich die streitige Diskussion allein auf eine vergleichsweise kleine Gruppe von Frauen mit explizit erhöhtem Krebsrisiko bezieht, bei der die bildgebende Früherkennungsdiagnostik regelhaft ab dem 25. Lebensjahr beginnt. Für Frauen in der Altersgruppe ab 50 Jahren ist die Röntgen-Mammografie erwiesenermaßen effektiv, von hohem diagnostischem Wert und leistet einen wichtigen Beitrag zur Senkung der Brustkrebssterblichkeit.

Die publizierten Daten der sogenannten EVA-Studie beruhen auf Früherkennungsuntersuchungen der Universitätskliniken Bonn, Münster und Ulm in der Zeit von 2002 bis 2007 und zielen auf eine speziell definierte Frauengruppe mit anzunehmendem erhöhtem Brustkrebsrisiko bei im Mittel jüngerem Erkrankungsalter.

Entsprechend den nationalen Empfehlungen wurden jährlich jeweils eine MR-Mammografie, eine Röntgen-Mammografie sowie halbjährlich eine Sonografie der weiblichen Brust durchgeführt. In diesem Kollektiv mit einem mittleren Alter von 45 Jahren zeigte die MR-Mammografie mit 93 Prozent die höchste Sensitivität gegenüber den übrigen Methoden. Sie erkannte 25 von 27 diagnostizierten Brustkrebserkrankungen; zwei Erkrankungen wurden ausschließlich mithilfe der Röntgen-Mammografie und der damit verbundenen Abklärung von Mikroverkalkungen diagnostiziert.

Lesen Sie dazu auch: Mammografie für Frauen mit erhöhtem Brustkrebs-Risiko ohne Mehrwert

Zur Pressemitteilung "Röntgen-Mammographie - ein wichtiges Verfahren in der Brustkrebs-Früherkennung"

[19.03.2010, 12:42:42]
Gabriele Wagner 
Stellungnahme von Frau Prof. Dr. med. Sylvia Helen Heywang-Köbrunner aus München
Per E-Mail erhielten wir eine Pressemitteilung des Referenzzentrums Mammographie München, die von der Leiterin des Zentrums, Frau Prof. Dr. med. Sylvia Helen Heywang-Köbrunner, unterschrieben ist:

Eine kürzliche Pressemitteilung von Prof. Dr. C. Kuhl hat leider zu erheblicher Verunsicherung über Brust-Bildgebung geführt. Die Daten von Frau Prof Kuhl und 3 weiteren Universitäten betreffen 687 Hochrisikopatientinnen, bei denen insgesamt 25 Brustkrebserkrankungen gefunden wurden.
Allgemein ist zu bemerken, dass Hochrisikopatientinnen aufgrund vom Erkrankungsalter, der Drüsenkörperdichte und auch wegen zum Teil anderer Tumorarten nicht mit der Normalpopulation vergleichbar sind.
Internationale Arbeiten (an mehreren Tausend Hochrisiko-Patientinnen und mehreren hundert Brustkrebserkrankungen) bestätigen, dass bei dieser speziellen Fragestellung (Hochrisikopatientinnen!) die meisten Brustkrebserkrankungen durch MRT gefunden werden können. Die internationalen Daten belegen aber auch, dass bei ca. 10%
dieser Patientinnen allein durch Mammographie der Brustkrebs gefunden wurde.
Die internationalen Empfehlungen zum Einsatz aller Bildgebungsmethoden bei Hochrisiko bleiben damit bestehen.
Diese Empfehlungen, die kontinuierlich geprüft und angepasst werden, beruhen auf internationalem und interdisziplinärem Konsens über die Wertigkeit aller Verfahren in der Brustdiagnostik.
Der aktuellste internationale interdisziplinäre Konsensus wurde von der europäischen Brustkrebsgesellschaft EUSOMA (European Society of Mastology) verabschiedet und befindet sich im European Journal of Cancer in Druck (Sardanelli et al. EJC 2010).
Zusammenfassend ist die aktuelle internationale Bewertung nach folgende:
- MRT wird (zusammen mit zumindest Mammographie ab dem 30. Lebensjahr) bei Hochrisiko empfohlen.
- Für den Einsatz von MRT bei der Früherkennung bei mittlerem Risiko besteht derzeit ungenügende Evidenz.
- Vom Einsatz der MRT bei Früherkennung bei geringem oder fehlendem Risiko wird international abgeraten.
Ab dem 50. Lebensjahr wird international Mammographiescreening weiterhin als Methode der Wahl empfohlen.
Ob eine Methode bei einer gegebenen Fragestellung einsetzbar ist, hängt von Vor- und Nachteilen und von der Reproduzierbarkeit der Ergebnisse ab.
Als diejenige, die Mamma-MRT weltweit eingeführt und etabliert hat, wünsche ich mir, dass die Methode, ihren Fähigkeiten entsprechend eingesetzt wird, also bei Problemfällen die Palette der Möglichkeiten weiterhin ergänzt und bereichert.
Die Propagierung eines generellen Einsatzes der MRT für Früherkennung ist zu diesem Zeitpunkt aus Gründen von Qualitätssicherung, Reproduzierbarkeit und fehlenden Daten zu Wirkung und Nebenwirkung unverantwortlich.
Prof. Dr. med. Sylvia Helen Heywang-Köbrunner
Leiterin RZ München zum Beitrag »

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