Ärzte Zeitung online, 26.03.2010

Studie: Beta-Blocker können Krebsausbreitung vermindern

BARCELONA/WITTEN (dpa). Beta-Blocker können möglicherweise die Bildung von Metastasen bei Brustkrebs vermindern. Hinweise auf diesen Effekt und auf bessere Überlebenschancen von Brustkrebspatientinnen durch Beta-Blocker stellten Mediziner am Freitag auf der siebten Europäischen Brustkrebskonferenz (EBCC7) in Barcelona vor.

An der Studie nahmen auch Wissenschaftler der privaten Universität Witten/Herdecke teil. "So deutliche Aussagen kommen nur bei wenigen Studien zustande", sagte Mitautor Frank Entschladen in Witten. "Deshalb sind wir sehr neugierig, ob wir dieses Ergebnis in einer zukünftigen, größeren Studie und auch bei anderen Krebsarten bestätigen können."

Die Forscher analysierten die Krankheitsdaten von Patientinnen mit verschiedenen Arten von Brustkrebs. Von 466 Patientinnen erhielten 43 Beta-Blocker gegen Bluthochdruck. Die anderen Frauen nahmen entweder andere Medikamente gegen Bluthochdruck oder litten nicht daran und nahmen daher auch keine Medikamente dagegen ein.

Die Frauen, die Beta-Blocker erhielten, hatten der Studie zufolge im Vergleich mit den anderen Patientinnen ein um 71 Prozent reduziertes Risiko, an Brustkrebs zu sterben. Es seien deutlich weniger Metastasen aufgetreten und der Krebs sei nach der Behandlung nicht so häufig wieder gekommen.

Aus Laboruntersuchungen sei bekannt, dass Beta-Blocker auf verschiedene Krebsarten Einfluss haben. Die Medikamente verhindern demnach, dass Stresshormone an den Krebszellen andocken. Diese Stresshormone begünstigen unter anderem das Wachstum und die Wanderung von Krebszellen im Körper. Diese Erkenntnisse aus dem Labor seien nun in dieser relativ kleinen Studie überprüft worden.

Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass die Beta-Blocker und nicht der Bluthochdruck selbst für die Ergebnisse zuständig sind. "Wenn das der Fall wäre, würden Patientinnen, die andere Medikamente gegen den Bluthochdruck bekamen, einen ähnlichen Effekt zeigen", sagte Desmond Powe von der Universität Nottingham. "Das war aber nicht der Fall."

Ein nächster Schritt sei nun zu prüfen, ob auch Brustkrebs-Patientinnen ohne Bluthochdruck von Beta-Blockern profitieren könnten. Dazu müssten auch die Dosierung und die Nebenwirkungen überprüft werden.

Lesen Sie dazu auch den Hintergrund aus dem Jahr 2006:
Streßhormone setzen Krebszellen in Bewegung

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