Freitag, 19. September 2014
Ärzte Zeitung online, 03.09.2010

Genmutation: Entfernung der Brüste schützt Frauen mit hohem Krebsrisiko

PHILADELPHIA (ikr). Frauen, die aufgrund einer Genmutation ein hohes Risiko für Brust- und Ovarialkrebs haben, profitieren von der chirurgischen Prophylaxe mit Mastektomie und Ovarektomie. Das bestätigt eine aktuelle US-Studie mit mehr als 1500 Frauen.

Genmutation: Entfernung der Brüste schützt Frauen mit hohem Krebsrisiko

Kein Befund und trotzdem komplette Brustentfernung? Für Frauen mit genetischem Brustkrebs-Risiko macht das nach neuen Daten Sinn.

© mammitzsch / fotolia.com

Bei Frauen mit BRCA-Genmutation beträgt das Risiko, im Laufe des Lebens an Brustkrebs zu erkranken, je nach Art der Mutation 60 bis 80 Prozent. Und das Risiko für ein Ovarialkarzinom liegt zwischen 20 und 40 Prozent. Es gibt inzwischen mehrere Optionen zur Prävention.

Dazu gehören ein intensiviertes Früherkennungsprogramm einschließlich Mammografie und MRT sowie die Chemoprävention mit Arzneimitteln wie Tamoxifen und Raloxifen. Mit den beiden Substanzen lässt sich das Risiko für Brustkrebs um 40 bis 50 Prozent reduzieren (JAMA 2006; 295: 2727).

Mit Raloxifen ist der präventive Nutzen etwas geringer als mit Tamoxifen, dafür ist der selektive Östrogen-Rezeptor-Modulator jedoch verträglicher. Beide Substanzen sind bisher jedoch nur in den USA speziell für die Primärprävention von Brustkrebs zugelassen.

Eine weitere Präventionsmöglichkeit bei BRCA-Mutation ist die chirurgische Prophylaxe, das heißt die Entfernung der Brüste mit anschließendem Wiederaufbau der Brust auf Wunsch der Patientin. In Frage kommt außerdem die sogenannte Salpingo-Oophorektomie mit Entferung von Tuben und Eierstöcken. In einer US-Studie konnte nun der starke Schutzeffekt dieser beiden chirurgischen Maßnahmen belegt werden (JAMA 2010; 304: 967).

Die Bilanz: Keine von 247 Frauen mit BRCA1- oder BRCA2-Mutation, die eine Mastektomie erhielten, bekamen innerhalb von drei Jahren ein Mammakarzinom, jedoch 98 (sieben Prozent) der 1372 Frauen ohne Entfernung der Brüste. Einen starken präventiven Effekt ergab sich auch für Frauen, die sich einer Salpingo-Oophorektomie unterzogen: Sie hatten ein deutlich geringeres Risiko für ein Ovarial-Ca als Frauen ohne diese Maßnahme.

Bei den Frauen, die zuvor noch keinen Brustkrebs hatten, betrug die Eierstockkrebsrate nach Salpingo-Oophorektomie innerhalb von drei Jahren 2 Prozent und ohne diese Maßnahme 6 Prozent. Bei Frauen mit Brustkrebs in der Anamnese waren es 1 versus 6 Prozent.

Bei Frauen, denen Tuben und Eierstöcke prophylaktisch entfernt wurden, war auch die Brustkrebsrate deutlich geringer: Sie betrug bei Frauen mit BRCA1-Mutation 14 Prozent im Vergleich zu 20 Prozent bei Frauen mit einer solchen Mutation, aber ohne chirurgische Prophylaxe. Bei Frauen mit BRCA2-Mutation betrug die Rate der Mammakarzinome 7 versus 23 Prozent.

In den zwölf Zentren des Deutschen Konsortiums für familiären Brust- und Eierstockkrebs können Frauen aus Risikofamilien beraten und betreut werden, etwa zu Indikationen für den Gentest und zu Präventionsmöglichkeiten bei positivem Testergebnis.

Mehr Infos zu spezialisierten Zentren: www.krebshilfe.de/brustkrebszentren.html

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