Ärzte Zeitung online, 30.12.2010

Ultraschall ermöglicht bei fraglichem Brustkrebs rasche Klärung ohne Op

BERLIN (eb). Mit Hilfe von Ultraschall und einer Gewebeprobe können Ärzte in der Praxis gezielt, risikoarm und rasch klären, ob ein Knoten in der Brust einer Patientin gut- oder bösartig ist. Das Ergebnis liegt meist schon innerhalb von 24 Stunden vor. Krankenkassen honorierten diese ambulante Untersuchung unzureichend, kritisiert die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM).

Die DEGUM würde eine Honorierung von ambulant durchgeführten ultraschallgestützten Untersuchungen entsprechend den klinischen Vorgaben begrüßen, teilt die Gesellschaft mit.

Mit bildgebenden Verfahren wie Ultraschall entdeckten Ärzte heutzutage Tumoren, Zysten und andere Veränderungen im Gewebe schon im frühen Stadium: "Hochauflösende Ultraschallscanner mit einer Frequenz von 12 MHz bis 18 MHz können Veränderungen in der Brust ab einer durchschnittlichen Größe von fünf Millimetern gut erkennen", wird Professor Friedrich Degenhardt, Leiter des Arbeitskreises Mammasonografie der DEGUM, Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde am Franziskus Hospital in Bielefeld und Leiter des Brustzentrums Bielefeld-Herford zitiert.

Die Technik biete viele Vorteile, so Degenhardt. "Zum einen können wir nicht-tastbare Tumoren vor einer Op markieren, zum anderen lassen sich Tumoren unter Ultraschallsicht in Lokalanästhesie ambulant abklären." Denn eine Veränderung in der Brust muss nicht immer Krebs bedeuten.

Ob die Geschwulst gut- oder bösartig ist, zeigt erst eine Gewebeprobe. Bislang war dafür ein operativer Eingriff notwendig. Nicht jedoch bei einer unter Ultraschallsicht vorgenommenen nicht-invasiven Biopsie. Dafür platziert der Frauenarzt im verdächtigen Bereich auf der Brust einen Ultraschallkopf und hat damit den Knoten am Bildschirm genau im Blick. Anschließend sticht er nach Plazierung einer Stanznadel mit hoher Geschwindigkeit exakt in den Tumor und entnimmt drei bis fünf Gewebeproben. Die Patientin benötigt dafür lediglich eine örtliche Betäubung.

Das Verfahren birgt kaum Risiken und ist nahezu schmerzfrei. "Patientinnen müssen zur Gewebeentnahme nicht extra ins Krankenhaus und das Ergebnis des Befundes liegt meist schon innerhalb eines Tages vor", wird Degenhardt aus Anlass einer Veranstaltung der DEGUM in Berlin zitiert.

Kosten für einen mehrtägigen stationären Aufenthalt in der Klinik würden so eingespart. Und: Die rasche Befundmitteilung bedeute eine große psychische Entlastung für betroffene Frauen. Erst wenn das Ergebnis der nichtinvasiven Biopsie für ein Malignom spreche, sei ein stationärer Eingriff nötig. Entsprechend qualifizierte Untersucher entdecken bösartige Tumoren durch eine ultraschallgestützte Biopsie in über 90 Prozent der Fälle.

Außerhalb der Krankenhäuser, bei niedergelassenen Ärzten, fehle derzeit noch der Rahmen in Form einer finanziellen Honorierung. "Speziell ausgebildete niedergelassene Ärzte, die diese Technik ambulant anwenden, müssen für diese Leistung auch finanziell honoriert werden", fordert Degenhardt in der Mitteilung der DEGUM.

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