Ärzte Zeitung, 17.06.2013

Brustkrebs-Risiko

Gentest meist auf Kassenkosten

Hollywood-Star Angelina Jolie hat mit ihrem Fall die prophylaktische Mastektomie publik gemacht. Voraussetzung für diese Operation ist ein Gentest - der meist von den gesetzlichen und privaten Kassen bezahlt wird.

Von Anne-Christin Gröger und Ilse Schlingensiepen

Gentest meist auf Kassenkosten

Mastektomie: Etwa zehn Prozent der Frauen mit Brustkrebs haben eine prädisponierende Mutation.

© Götz Schleser / imago

KÖLN. Der Gentest, mit dem Risikopatientinnen ihr Brustkrebs-Risiko ermitteln lassen können, ist teuer und als präventive Leistung nicht automatisch vom Leistungsumfang der gesetzlichen Krankenkassen und der privaten Krankenversicherer erfasst.

Dennoch übernehmen die meisten die Kosten. Da die Erstattungspraxis sehr unterschiedlich ist, sollten Ärzte betroffenen Patientinnen raten, sich vorab nach den Bedingungen für eine Kostenübernahme zu erkundigen.

"Wir machen völlig unterschiedliche Erfahrungen mit der Zahlungsbereitschaft der Kostenträger, aber etwa 80 Prozent der Kostenübernahmen verlaufen problemlos", sagt Andrea Hahne, Vorstandsvorsitzende des BRCA-Netzwerks.

Das ist eine Selbsthilfeeinrichtung für Frauen mit familiär bedingtem Brustkrebs- und Eierstockkrebs. Kommt es zu Problemen, liegt das nach ihrer Erfahrung vor allem daran, dass die Versicherer zu wenig in der Thematik stecken.

Hahne berichtet von einer Beamtin, die wegen einer auffälligen Anamnese zur Beratung gekommen war und einen Gentest machen wollte. Der medizinische Befund legte nahe, dass sie einem Mutationsrisiko von über zehn Prozent ausgesetzt war.

Zwar sagte der Krankenversicherer die volle Kostenübernahme zu, die Beihilfestelle lehnte allerdings mit der Begründung ab, der Test sei präventiv und präventive Maßnahmen übernehme sie nicht.

Gentest kostet bis zu 6000 Euro

Patientinnen können bei Bedarf nach einer umfassenden Beratung einen Gentest auch privat in Auftrag geben. Er kostet aber je nach Umfang zwischen 3000 Euro und 6000 Euro, so Hahne.

Für eine vorsorgliche Amputation gesunder Brüste sind zwischen 15.000 Euro und 30.000 Euro fällig.

Der PKV-Verband hat einen Rahmenvertrag mit dem Deutschen Konsortium für familiären Brust- und Eierstockkrebs, zu dem sich die universitären Spezialzentren zusammengeschlossen haben.

Versicherer, die dem Vertrag beigetreten sind, erstatten den Frauen die Kosten für den Gentest und auch für die regelmäßigen Vorsorgeuntersuchungen. Die vorbeugende Brust-Amputation wird von der Vereinbarung nicht erfasst.

Die DKV hat die Vereinbarung unterzeichnet. Sie zahlt für die Beratung vor dem Gentest. "Wird nach dieser Erstberatung eine Genuntersuchung empfohlen, übernimmt die DKV die Kosten", sagt Sprecherin Alexandra Bufe.

"Ergibt diese Genuntersuchung ein erhöhtes Risiko, an Brustkrebs zu erkranken, wird der Versicherten empfohlen, alle Maßnahmen zur Früherkennung zu nutzen."

Debeka zahlt bei begründetem Verdacht

Der Versicherer behält sich jedoch vor, über die Kostenübernahme von vorsorglichen Brustamputationen im Einzelfall zu entscheiden. Denn "es liegt kein Krankheitsfall vor, sondern ein Krankheitsrisiko", sagt Bufe.

Marktführer Debeka übernimmt die Kosten für den Test, wenn ein begründeter Verdacht besteht. "Wenn sich das Risiko durch den Gentest bestätigt, bezahlen wir auch die Amputation der Brust und den anschließenden Aufbau der Brust", sagt Sprecher Christian Arns.

Ähnlich verfahren auch die Allianz Private Krankenversicherung und die Barmenia.

Die Continentale Krankenversicherung prüft jeden Einzelfall auf Basis der Anamnese. "Ergibt sie ein Risiko von 50 Prozent oder mehr, bezahlen wir den Gentest", so Sprecher Bernd Goletz.

Die Diagnostik mündet in der Regel in eine Empfehlung zu weiteren Maßnahmen. "Dieser Empfehlung folgen wir."

Vorsicht bei Gentests übers Internet!

Nach Angaben des GKV-Spitzenverbands bezahlen auch die gesetzlichen Krankenkassen bei Hochrisikopatientinnen den Gentest, die Vorsorgeuntersuchungen oder die Amputation.

Auch hier handelt es sich aber immer um Einzelfallentscheidungen, die Maßnahmen sind nicht Teil des GKV-Leistungskatalogs.

Hahne vom BRCA-Netzwerk warnt vor Gentests, die Patientinnen über das Internet in Auftrag geben können. Sie sind zwar wesentlich günstiger als die Tests über die Zentren.

"Es findet jedoch keine Beratung statt, die Patientin wird mit den Ergebnissen allein gelassen", sagt sie. Zudem gebe es große Qualitätsunterschiede.

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