Ärzte Zeitung, 20.08.2015

Brustkrebs

Erweiterte Bestrahlung senkt Rezidivrisiko

In zwei Studien erhielten Frauen mit Mamma-Ca im Frühstadium eine konventionelle Radiatio, die sich auf die Brustdrüse beschränkte. Oder es wurden zusätzlich die Lymphabflusswege bestrahlt.

Erweiterte Bestrahlung senkt Rezidivrisiko

In der Studie mit Brustkrebs-Patientinnen wurden klare Vorteile der erweiterten Bestrahlungsstrategie nach zehn Jahren festgestellt.

© Springer Verlag GmbH

BERLIN. Viele Patientinnen mit Brustkrebs im Frühstadium profitieren von einer erweiterten Radiatio, bei der auch die benachbarten Lymphknoten in das Strahlenfeld einbezogen werden, berichtet die Deutsche Gesellschaft für Radioonkologie (DEGRO). Dies verringere langfristig die Risiken für eine spätere Wiedererkrankung.

Bei Brustkrebs im Frühstadium wird heute ja meist brusterhaltend behandelt. Sind ein oder mehrere Lymphknoten betroffen, erhalten Betroffene neben der Bestrahlung fast immer eine unterstützende Chemotherapie, manchmal auch eine Hormontherapie oder eine Kombination aus beidem, erinnert die DEGRO.

Eine Bestrahlung der Brustdrüse nach der Op soll verhindern, dass es später erneut zum Krebswachstum kommt."Die Radiotherapie hat die brusterhaltende Op erst möglich gemacht", wird Professor Wilfried Budach vom Universitätsklinikum Düsseldorf in der Mitteilung der DEGRO zitiert.

Finden sich Krebszellen in den Lymphknoten oder besteht ein hohes Risiko hierfür, kann die Strahlentherapie auf die Bereiche der Lymphknoten erweitert werden. "Zwei Studien haben nun gezeigt, dass die erweiterte Strahlentherapie oftmals richtig und wichtig ist", so Budach.

Nach zehn Jahren: Klare Vorteile der erweiterten Bestrahlungsstrategie

An den beiden Studien haben in Nordamerika und Europa über 5000 Frauen mit Brustkrebs im Frühstadium teilgenommen, die zum größten Teil brusterhaltend operiert werden konnten.

In der europäischen Studie (NEJM 2015; 373(4):317-27) bekam nur ein Teil der Frauen eine adjuvante Chemo; in der nordamerikanischen Studie (NEJM 2015; 23;373(4):307-16) jedoch alle Frauen.

Ein Teil der Frauen erhielt dann eine konventionelle Radiotherapie, die sich auf die Bestrahlung der Brustdrüse beschränkte. Bei den anderen wurden zusätzlich die Lymphabflusswege bestrahlt.

Neben einer Zone in unmittelbarer Umgebung der Brust am Übergang zur Achselhöhle und hinter dem Brustbein gehört ja auch die Region oberhalb des Schlüsselbeins dazu.

Die Behandlungen fanden bereits in den 1990er und den 2000er Jahren statt. Nach zehn Jahren zeigten sich klare Vorteile der erweiterten Bestrahlungsstrategie: In beiden Studien stieg hierdurch der Anteil der Patientinnen, die ohne Tumorrückfall und am Leben blieben, um mehrere Prozentpunkte.

In beiden Studien zeichnete sich durch die erweiterte Radiotherapie ein Trend zum besseren Überleben ab.

"Von der erweiterten Bestrahlung profitieren auch Frauen, deren Lymphknoten zwar frei von Krebszellen sind, die aber besonders aggressive oder größere Tumoren haben", erläutert DEGRO-Sprecher Professor Frederik Wenz vom Universitätsklinikum Mannheim in der Mitteilung.

Diese Patientinnen hätten ein erhöhtes Risiko für die Bildung von Metastasen. Wenz betont: "Die Bestrahlungsgeräte sind in den letzten beiden Jahrzehnten weiterentwickelt worden, die Bestrahlungen sind zielgenauer und schonender. Zudem werden heute effektivere Medikamente eingesetzt."Insgesamt verbessere sich die Situation für Brustkrebspatientinnen kontinuierlich.

"Die Überlebenschancen für Patientinnen mit Brustkrebs im Frühstadium lagen in beiden Studien bei über 80 Prozent", so Wenz. "Bei den Frauen, die wir heute behandeln, dürfte sich die Quote der Langzeitüberlebenden noch einmal deutlich erhöhen." (eb)

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Adiopositas-Op nötig, aber Kasse will nicht zahlen

Wenn der Antrag eines Adipositas-Patienten auf eine bariatrische Operation abgelehnt wird, bringt das Ärzte in eine schwierige Situation. Denn oft verschlechtert sich der Zustand des Betroffenen. mehr »

Immer mehr Nichtraucher erkranken an Lungenkrebs

In US-Kliniken tauchen immer häufiger Nichtraucher mit Lungenkrebs auf, vor allem Frauen sind betroffen. Das könnte am Passivrauchen liegen. mehr »

Wer nicht hören will, den soll die Kita künftig melden

Prävention mit Drohgebärden: Künftig will das Bundesgesundheitsministerium nicht nur mit Bußgeld drohen, sondern auch die Kitas einspannen, um die Verweigerer einer verpflichtenden Impfberatung herauszufischen. mehr »