Ärzte Zeitung, 25.11.2015

Metastasierter Brustkrebs

Mehr Aufmerksamkeit für Betroffene!

Patientinnen mit fortgeschrittenem Brustkrebs haben meist andere Sorgen und Nöte als Betroffene mit Brustkrebs im Frühstadium. Die "Dialogrunde Brustkrebs" will darauf aufmerksam machen.

Mehr Aufmerksamkeit für Betroffene!

Die "Dialogrunde Brustkrebs" beschäftigt sich auch mit den Sorgen nach der Diagnose Metastasen.

© Erwin Fleischmann

MÜNCHEN. Das Thema Brustkrebs findet in der Öffentlichkeit und in den Medien immer wieder große Beachtung - insbesondere wenn es um das Schicksal prominenter Frauen geht.

Im Vergleich dazu ist die öffentliche Aufmerksamkeit für das Los von Frauen mit metastasiertem Brustkrebs eher gering. Das möchte jetzt die "Dialogrunde Brustkrebs" ändern.

Ziel der "Dialogrunde Brustkrebs" ist es, den Belangen, Sorgen und Nöten von Patientinnen mit metastasiertem Brustkrebs mehr Aufmerksamkeit und Berücksichtigung in der Öffentlichkeit zukommen zu lassen, hieß es in München zum Auftakt einer Reihe von Veranstaltungen, die im kommenden Jahr in mehreren Bundesländern geplant sind.

Es sei kaum bekannt, dass jedes Jahr etwa 10.000 Frauen die Diagnose fortgeschrittener Brustkrebs erhalten, sagte die Vorsitzende des Vereins Brustkrebs Deutschland, Renate Haidinger, in München. Schon die Diagnose Brustkrebs als solche komme meist unerwartet und verändere das Leben.

Ungleich schwieriger sei die Situation, wenn Metastasen diagnostiziert werden, da eine Heilung in der Regel dann nicht mehr möglich ist. Vielfach bestünden Unsicherheiten, ob es überhaupt noch Therapieoptionen gibt, berichtete Haidinger.

Nebenwirkungen haben hohen Stellenwert

Für Patientinnen mit Metastasen habe das Thema Nebenwirkungen einer Therapie im Hinblick auf die verbleibende Zeit daher einen ganz anderen Stellenwert im Vergleich zu Patientinnen, bei denen der Brustkrebs rechtzeitig im Frühstadium und mit guten Heilungschancen erkannt wurde, so Haidinger.

Auch das Thema Lebensqualität habe für die betroffenen Frauen eine andere Dimension, sagte Eva Schumacher-Wulf, Chefredakteurin von "Mamma Mia! - Das Brustkrebsmagazin".

Lebensqualität bedeute für diese Frauen, sich noch selbstständig zu versorgen, den Beruf - vielleicht auch nur stundenweise - noch ausüben zu können oder sich um Kinder zu kümmern. "Das hat nichts mit Lifestyle zu tun", betonte Schumacher-Wulf.

Fernmetastasen bei Brustkrebs finden sich am häufigsten in den Knochen, in der Lunge, in der Leber und im Gehirn, berichtete Professor Nadia Harbeck vom Brustzentrum der Universitäts-Frauenklinik München. Das Durchschnittsalter bei der Diagnose von Metastasen liege bei 66 Jahren, die mediane Überlebenszeit bei zwei Jahren.

Ziel einer Therapie bei metastasiertem Brustkrebs sei neben der Lebensverlängerung vor allem die Linderung tumorbedingter Beschwerden und der langfristige Erhalt der Lebensqualität. Dies zu erreichen sei mit den neuen Krebsmedikamenten zunehmend möglich, so Harbeck.

Die "Dialogrunde Brustkrebs" ist eine Initiative von Pfizer Oncology, dem Verein Brustkrebs Deutschland e.V. in Kooperation mit "Mamma Mia! - Das Brustkrebsmagazin" und der "Ärzte Zeitung". (sto)

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