Ärzte Zeitung, 25.09.2008

Die Substanz


Gewinner des Prix Galien Schweiz 2007. Kandidat für den Prix Galien International 2008.
Hier stellt sich der Kandidat vor.

Sunitinib - eine wirksame Option bei Nieren-Ca und GIST

Mit Sunitinib wurde bei metastasiertem Nierenkrebs eine mediane Lebenszeit von über zwei Jahren erzielt.

Das oral verabreichte Medikament Sunitinib (Sutent®) ist ein Enzym aus der Familie der Multikinase-Hemmstoffe: das heißt, es lassen sich damit mehrere Kinasen gleichzeitig hemmen. Das Medikament hemmt die Tumorproliferation, die Gefäßneubildung sowie die Metastasierung. Zugelassen ist es bei Patienten mit einem fortgeschrittenen oder metastasierten Nierenzell-Ca oder mit gastrointestinalen Stromatumoren (GIST) nach Versagen oder Unverträglichkeit von Imatinib.

Insgesamt vier Tyrosinkinasen werden durch Sunitinib gehemmt. Dazu gehören VEGFR (vascular endothelial growth factor receptor) und PDGFR (platelet derived growth factor receptor). Hohe PDGF-Mengen stabilisieren die Blutgefäße, hohe VEGF-Konzentrationen dagegen fördern das Wachstum von Lymph- und Blutgefäßen. Weil Tumoren neue Blutgefäße dringend brauchen, boten sich die Rezeptoren für diese Faktoren bei der Entwicklung neuartiger Medikamente als Angriffspunkte für Hemmstoffe gegen Krebs an.

Durch die Hemmung mehrerer Kinasen gleichzeitig wirkt Sunitinib einerseits antiproliferativ, indem es die PDGF- und VEGF-Rezeptoren der Tumorzellen blockiert. Andererseits wirkt es antiangiogen, da die PDGF-Rezeptoren der Perizyten und VEGF-Rezeptoren der Endothelzellen gehemmt werden.

Das Medikament hemmt vier Tyrosinkinasen.

Sunitinib erhielt die EU-Zulassung zur Therapie von Patienten mit fortgeschrittenem oder metastasiertem Nierenzellkarzinom, und zwar sowohl in der Erstlinien- als auch in der Zweitlinien-Therapie. Mit dem Medikament ließ sich in der Zulassungsstudie mit mehr als 700 Patienten die Dauer bis zum Fortschreiten der Erkrankung im Vergleich zur Therapie mit subkutan injiziertem Interferon-alfa verdoppeln (47,3 versus 22 Wochen, aktualisierte Daten: 11 versus 5,1 Monate). Darüber hinaus schrumpften unter Sunitinib bei 31 Prozent der Patienten die Tumoren um mehr als 30 Prozent, während dies in der Interferon-Gruppe nur bei sechs Prozent der Fall war (NEJM 356, 2007, 115).

Aufgrund dieser Daten wurde schon kurz nach Zulassung für die Erstlinien-Therapie Sunitinib in die Empfehlungen der europäischen Urologengesellschaft aufgenommen (Eur Urol 51, 2007, 1502). Auch eine interdisziplinäre Arbeitsgruppe der Deutschen Krebsgesellschaft empfiehlt Sunitinib zur Erstlinien-Therapie bei metastasiertem Nierenzellkarzinom (Aktuel Urol 38, 2007, 328).

Aktuelle Studienauswertungen haben ergeben, dass Patienten der Sunitinib-Gruppe im Median noch etwa 26 Monate lebten, in der Vergleichsgruppe nur etwa 20 Monate (p=0,0362) (J Clin Oncol 26, 2008, 256, Abstract 5024).

Die Therapie mit Sunitinib ist zudem die einzige zugelassene Therapie bei nicht resezierbaren oder metastasierten GIST, wenn die Therapie mit Imatinib versagt hat oder nicht vertragen wird. In der Zulassungsstudie mit 312 Patienten betrug die Dauer bis zum Fortschreiten der Krebserkrankung in der Verumgruppe knapp 29 Wochen, in der Placebogruppe dagegen nur etwa fünf Wochen.

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