Ärzte Zeitung, 26.04.2013

ASS und Co

Weniger Schmerzen, mehr Nierenkrebs

Immer häufiger wird über die positive Wirkung von ASS und Co. bei der Krebsprävention berichtet. Bloß die Nieren scheinen davon nicht zu profitieren. Das Gegenteil ist sogar der Fall.

Von Beate Schumacher

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Genau hinsehen bei der Therapie mit NSAR: Risiken und Nutzen gilt es genau abzuwägen.

© schlierner / fotolia.com

BOSTON. Immer mehr Studien attestieren insbesondere ASS, aber auch (anderen) NSAR eine krebsvorbeugende Wirkung, unter anderem gegenüber Karzinomen des Kolorektums, der Brust und der Prostata.

Ein Schutz vor Nierenkrebs lässt sich jedoch nicht feststellen. Die meisten Analgetika scheinen das Erkrankungsrisiko sogar zu fördern, wie eine Metaanalyse jetzt ergeben hat (J Cancer 2013; online 7. Februar).

Die Analyse fußt auf Daten von 20 Studien aus Nordamerika, Europa und Australien, davon zwölf Fall-Kontroll-Studien mit 7075 Erkrankten und 579.285 Kontrollen und acht Kohortenstudien mit 1165 Erkrankten unter 579.285 Teilnehmern.

Danach ist die gelegentliche oder regelmäßige Anwendung von Paracetamol, die in 14 Studien ausgewertet wurde, mit einem Anstieg des Nierenkrebsrisikos um 28 Prozent verbunden. Höhere Dosierungen gingen mit einem höheren Risiko einher (plus 68 Prozent).

Anwender von NSAR ohne ASS, sie wurden in fünf Studien untersucht, hatten insgesamt eine um 25 Prozent erhöhte Nierenkrebsrate. Auch hier zeigte sich eine Dosis-WirkungsBeziehung mit einer Steigerung der Krebsrate um 56 Prozent bei Einnahme hoher Dosen.

Kanzerogene Metaboliten

Wurden nur Studien verwendet, in denen eine Adjustierung für andere Risikofaktoren für Nierenkrebs, nämlich Übergewicht und Rauchen, erfolgt war, war der Zusammenhang zwischen jeglicher Behandlung mit Paracetamol bzw. NSAR und Nierenkrebs sogar noch deutlicher, mit einer Steigerung um 23 Prozent bzw. 38 Prozent.

Die Einnahme von ASS hatte in 13 Studien insgesamt keinen Einfluss auf die Nierenkrebsrate. Auch die Anwendung von höheren Dosierungen oder über längere Zeit bewirkte keine signifikante Risikozunahme.

Ein signifikanter Anstieg um 17 Prozent zeigte sich jedoch, wenn nur die außerhalb der USA durchgeführten Studien berücksichtigt wurden.

Möglicherweise wurde ASS in diesen Studien öfter in Form von Kombinationspräparaten mit anderen Analgetika eingenommen, spekulieren die Studienautoren um Dr. Toni K. Choueiri vom Brigham and Women's Hospital and Harvard Medical School in Boston.

Auf welche Weise die Analgetika Einfluss auf die Krebsentstehung nehmen, ist noch weitgehend unklar. Bei Paracetamol könnte eine Rolle spielen, dass es sich um einen Metaboliten des nachweislich karzinogen wirkenden Phenacetins handelt, so Choueiri et al. NSAR würden möglicherweise die Karzinogenese anstoßen, indem sie subakute Nierenschäden setzen.

Dass unter ASS trotz dieser Gefahr nicht mehr Nierenkrebs festgestellt wurde, hänge möglicherweise damit zusammen, dass es häufig nur in niedriger Dosierung für kardiale Indikationen eingesetzt wird.

[29.04.2013, 13:07:23]
Ralph Eisermann 
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