Ärzte Zeitung online, 08.07.2011
Schweden: Maßgeschneiderte Luftröhre verpflanzt
STOCKHOLM (dpa). Ärzte in Stockholm haben einem Krebspatienten erfolgreich eine maßgeschneiderte künstliche Luftröhre eingepflanzt.

Die neue Trachea.
© dpa
Der 36 Jahre alte Mann ist auf gutem Weg der Besserung und konnte knapp einen Monat nach der Operation aus dem Krankenhaus entlassen werden, wie der Chef des internationalen Chirurgenteams am Karolinska Uniklinikum, Paolo Macchiarini, am Freitag der Nachrichtenagentur dpa mitteilte.
Die Mediziner hatten ein synthetisches Gerüst mit Stammzellen des Patienten besiedelt und dieses Labororgan verpflanzt. Diese Prozedur sei erstmals in der Medizingeschichte geglückt, teilte das Karolinska-Institut (KI) mit.
Zuvor hatte Macchiarini anderen Patienten bereits Luftröhren toter Spender verpflanzt, die von Spenderzellen befreit und mit patienteneigenen Stammzellen besiedelt worden waren. Die Besiedelung mit eigenen Stammzellen soll verhindern, dass das Organ vom Immunsystem abgestoßen wird.
Tracheakarzinom blockierte die Luftröhre
Der 36-jährige Stockholmer Patient litt an einem fortgeschrittenen Tracheakarzinom, das trotz intensiver Strahlentherapie bereits auf sechs Zentimeter Länge angewachsen war und fast die ganze Luftröhre blockierte.
Eine Transplantation sei die letzte Option gewesen, erläuterte das KI. Da kein passendes Spenderorgan zur Verfügung stand, formten die Mediziner eine künstliches Luftröhrengerüst und ließen darauf in einem speziellen Bioreaktor zwei Tage lang Stammzellen des Patienten wachsen.
Mit dieser Technik des "Tissue Engineering", der Gewebezüchtung, hoffen Forscher, neue Behandlungsmöglichkeiten zu eröffnen. Insbesondere für Patienten im Kindesalter könne dies ein großer Vorteil sein, betonte das Institut, da für sie kaum Spenderluftröhren zur Verfügung stünden.

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