Ärzte Zeitung, 12.07.2004

Taxan-Therapie verlängert das Leben von Männern mit Prostata-Ca

Überlebenszeit stieg mit Taxan-haltiger Chemotherapie um im Mittel zwei Monate

Bei der Therapie von Prostatakarzinom-Patienten machen Onkologen Fortschritte, speziell bei Metastasierung. Nachdem seit etwa 40 Jahren die antiandrogene Behandlung besonders in dieser Erkrankungsphase Standard ist, kommt jetzt eine Komponente hinzu, die - zumindest in Europa - bislang kaum genutzt wurde: die Chemotherapie. Warum das und warum erst jetzt?

Von Thomas Meißner

Es dauert im Durchschnitt 18 Monate, dann sind die bösartigen Prostatazellen Hormon-insensitiv. Als Ursache dafür wird die Therapie-bedingte Selektion Androgen-unempfindlicher Tumorzellklone des zunächst heterogenen Tumors genannt. Ist dieser Zeitpunkt erreicht, ist die Prognose des Patienten äußerst schlecht: Nur noch sechs bis 15 Monate betrage dann die mediane Überlebensrate, so Professor Ronald de Wit vom Rotterdam Cancer Institute in den Niederlanden beim ASCO-Kongreß in New Orleans.

Bislang hat die Chemotherapie, etwa mit Mitoxantron und Prednison, daran nichts geändert, allenfalls die Schmerzen und andere Karzinom-bedingte Symptome wurden damit gelindert. Nun sind beim ASCO-Kongreß gleich zwei Studien vorgestellt worden, die neue Hoffnung für die Patienten bedeuten. Beidesmal handelt es sich um Taxan-haltige Regimes.

Einmal wurde Docetaxel (Taxotere®), das in Deutschland bei Brust- und Bronchial-Ca zugelassen ist, mit Prednison und einmal mit Estramustin kombiniert. Damit verlängerte sich die mediane Überlebenszeit um zwei bis zweieinhalb Monate im Vergleich zum bisherigen Standard auf 1,5 Jahre. Fast 1800 Männer mit metastasiertem und Hormon-insensitivem Prostatakarzinom nahmen an der Studie teil (wir berichteten).

Wer die Überlebenszahlen nicht überragend findet, sollte bedenken: "median" bedeutet, daß 50 Prozent der Patienten deutlich länger leben werden als anderthalb Jahre - unter Umständen mehrere Jahre. Doch selbst wenn es nur zwei bis drei Monate mehr sind als bisher möglich: "Das ist die Zeit, in der der Patient noch die Hochzeit seiner Tochter oder Enkelin erleben kann", meint Professor Daniel P. Petrylak aus New York, einer der Studienleiter.

Auch andere, nicht an der Studie beteiligte Onkologen bewerten die Ergebnisse überaus positiv, etwa Professor Robert J. Mayer vom Dana-Farber Cancer Institute in Boston und Massachusetts: "Diese Studien haben große Bedeutung dafür, wie wir künftig Prostata- und Hodenkrebs-Patienten behandeln werden."

Denn daß Taxan-haltige Regimes signifikante Wirkungen haben (auch für Paclitaxel liegen positive Daten vor), eröffnet die Möglichkeit für Kombinationen mit weiteren Substanzen, deren Wirkprofil die zunehmenden Erkenntnisse über die Tumorbiologie widerspiegeln. Ein Beispiel ist der Angriff auf das antiapoptotische Protein, das vermehrt auf Hormon-insensitiven Prostata-Ca-Zellen vorkommt. Es verhindert die Apoptose der Krebszellen. Derzeit laufen Studien mit einer Bcl-2-Antisense-Substanz mit Docetaxel und mit Mitoxantron.

Die Zulassung von Docetaxel plus Prednison als Therapie bei hormonrefraktärem metastasiertem Prostata-Ca wird in Europa für dieses Jahr erwartet.

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