Ärzte Zeitung, 02.04.2007

Frühes Prostata-Ca: Op nur, wenn PSA-Wert steigt

Ärzte diskutierten auf dem Urologenkongress, welche Patienten von einer radikalen Prostatektomie profitieren

BERLIN (gvg). Der PSA-Wert ist erhöht, bei der folgenden Biopsie wird ein Prostata-Karzinom in einem frühen Stadium entdeckt. Doch wann sollte man operieren? Wenn sich der PSA-Wert innerhalb von zwei bis drei Jahren verdoppelt oder das Karzinom fortschreitet, raten Urologen.

"Wir sind im Moment noch nicht besonders gut darin, zu unterscheiden, welche Patienten mit frühem Prostata-Karzinom von einer radikalen Operation profitieren und welche nicht", gab Professor Per-Anders Abrahamsson aus Malmö zu. Dies müsse besser werden, denn das PSA-Screening führe dazu, dass immer mehr Karzinome in frühen Stadien entdeckt werden.

Beim Kongress der Europäischen Gesellschaft für Urologie (EAU) in Berlin berichtete Abrahamsson von neuen Auswertungen aus US-amerikanischen Screening-Programmen. Danach befinden sich mindestens 55 Prozent der Prostata-Karzinome, die bei Screenings entdeckt werden, in einem histologisch frühen Stadium (Gleason-Score bis maximal 6). In einer Langzeitstudie, an der knapp 300 Patienten mit solchen frühen und histologisch günstigen Prostata-Karzinomen teilnahmen, lag die Überlebensrate nach acht Jahren ohne Intervention bei 85 Prozent.

Alleine auf den histologischen Grad des Karzinoms wollen sich die Urologen bei der Entscheidung für oder gegen eine Operation aber nicht verlassen. "Im Moment warten wir bis zu einer Verdopplung des PSA-Werts oder bis Veränderungen in der Biopsie auftreten", so Abrahamsson. Verdopple sich der PSA-Wert innerhalb von drei Jahren oder steige er pro Jahr um mehr als 2 ng/ml an, dann spreche das für eine Operation. Das gleiche gelte, wenn sich die Histologie in Richtung eines Gleason-Scores von 7 oder höher verändert.

So eindeutig wie diese Regeln klingen ist die Sache aber leider nicht. "Wahrscheinlich ist eine Verdopplung innerhalb von zwei, nicht drei Jahren ein besserer Indikator", so Abrahamsson. Daten aus Vergleichsstudien gebe es dazu aber genauso wenig wie zu der Frage, wie oft Kontrollbiopsien nötig sind. "Wir empfehlen nach einem Jahr. Viele andere machen es erst nach zwei Jahren."

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