Ärzte Zeitung, 15.05.2007

Arznei oder Op - beides bremst Prostata-Ca

Die Erfahrung lehrt: Die meisten Patienten ziehen die Analoga-Therapie einer chirurgischen Kastration vor

MIESBACH (wst). Die Monotherapie mit Analoga des LHRH (luteinisierendes Hormon-Releasing-Hormon) hält die Progression eines lokal fortgeschrittenen oder metastasierten Prostatakarzinoms ähnlich wirksam auf wie eine Orchiektomie. Die meisten Patienten ziehen allerdings die Arzneitherapie vor.

Zwischen beiden Verfahren gebe es jedoch bei der Lebenszeit keine signifikanten Unterschiede. Das hat der Urologe Dr. Volker Rohde aus Bad Schwartau berichtet. Bei unerwünschten Wirkungen, zum Beispiel bei den Frakturraten, gebe es ebenfalls keine signifikanten Differenzen. Das habe zumindest der HTA-Bericht (Health Technology Assessment) ergeben, eine umfassende Literatur-Analyse, die Rohde und seine Mitarbeiter gemacht haben.

Unterschiede gab es bei den Kosten: Überlebten die Patienten länger als ein Jahr, war die einmalig erforderliche chirurgische Kastration offensichtlich billiger als die Arzneimitteltherapie. Möglicherweise seien in den Studien dazu jedoch indirekte Kosten vernachlässigt worden.

Als großes Plus der LHRH-Analoga-Therapie im Vergleich zur Orchiektomie gilt bislang die geringere psychische Belastung und die damit bessere Lebensqualität. Auch wenn daran kaum jemand zweifelt, fehlen aber bislang wissenschaftliche Daten, die diese Vorstellung stützen, sagte Rohde auf einer vom Unternehmen Sandoz unterstützten Veranstaltung in Miesbach.

Allerdings ziehen die meisten Patienten erfahrungsgemäß die chemische Kastration der Orchiektomie vor. Zudem bieten LHRH-Analoga mehr Spielraum, besonders für die zunehmend diskutierte intermittierende Hormonentzugsbehandlung. Eine Orchiektomie komme für ihn deshalb nur noch bei Patienten infrage, die die nötige Compliance gegenüber der medikamentösen Hormonentzugstherapie missen lassen, sagte Rohde.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Neuroprothese lässt Gelähmten wieder zugreifen

Eine Neuroprothese ermöglicht einem Tetraplegiker, mit einer Gabel zu essen. Sein Hirn wird dabei per Kabel mit Muskeln in Arm, Hand und Schulter verbunden. mehr »

Mord und Totschlag in deutschen Kliniken?

Eine umstrittene Studie zu lebensbeendenden Maßnahmen in Kliniken und Pflegeheimen erhitzt die Gemüter. mehr »

KBV und Psychotherapeuten kritisieren Honorarbeschluss

BERLIN. Der erweiterte Bewertungsausschuss hat am Mittwochnachmittag gegen die Stimmen der KBV einen Beschluss zur Vergütung der neuen psychotherapeutischen Leistungen gefasst. mehr »