Ärzte Zeitung, 18.05.2007

Auch als Adjuvans bremst LHRH-Analogon Prostata-Ca

Nutzen einer neo- und adjuvanten Behandlung in Kombination mit Strahlentherapie vermutet / Patienten mit Prostatektomie profitieren nicht

MIESBACH (wst). LHRH-Analoga (luteinisierendes Hormon-Releasing-Hormon) können die Progression bei fortgeschrittenem Prostatakarzinom bremsen. Offenbar ist der medikamentöse Hormonentzug aber auch als neoadjuvante und adjuvante Behandlung bei einem Teil der Patienten mit Strahlentherapie von Nutzen.

Nach Daten einer Cochrane-Analyse hat in einigen Studien ein Teil der Patienten mit einer neoadjuvanten Therapie mit LHRH-Analoga deutlich länger gelebt als ohne. Eine mindestens drei Monate vor der Radiatio gestartete Therapie sollte daher Standard sein. Darauf hat Dr. Volker Rohde aus Bad Schwartau auf einer Veranstaltung des Arbeitskreises urologischer Fachärzte in Miesbach (Südostbayern) hingewiesen. Einige Ergebnisse sprechen auch dafür, die Therapie während der Bestrahlung und danach adjuvant fortzusetzen. Die adjuvante Therapie erscheine um so dringlicher und sollte um so länger fortgeführt werden, je weiter der Tumor fortgeschritten ist. Das hat Rohde bei der von Sandoz unterstützten Veranstaltung empfohlen.

Anders sieht es mit einer neoadjuvanten oder adjuvanten Therapie bei einer Prostatektomie aus. Zwar kommt es zu histopathologisch nachweisbaren Verbesserungen: Die Rate der Resektionsränder mit positiven Tumorzellen etwa sei mit der Therapie geringer. Die Lebenszeit lasse sich so jedoch nicht verlängern, hätten Daten der Cochrane-Analyse ergeben. Möglicherweise werde der histopathologische Befund durch die neoadjuvante Therapie nicht verbessert, sondern nur verfälscht, oder die Patientenkollektive waren schlichtweg zu heterogen, sagte Rohde.

STICHWORT

Prostata-Krebs

Das Prostata-Karzinom tritt vor allem zwischen dem 45. und dem 70. Lebensjahr auf. Pro Jahr werden in Deutschland 40 000 Neuerkrankungen registriert und es sterben jährlich etwa 12 000 Männer daran. Damit ist der Prostatakrebs bei Männern die zweithäufigste Todesursache nach dem Bronchialkarzinom. Da bei vielen Patienten der Krebs der Vorsteherdrüse nicht diagnostiziert wird, ist das Prostatakarzinom ein häufiger Zufallsbefund bei Autopsien. Es gehört zu den langsam wachsenden Tumoren und beginnt meistens an den hinteren und seitlichen Teilen der Drüse. Richtungsweisende Symptome wie Blasenentleerungsstörungen, Dysurie oder Kreuz- und Rückenschmerzen treten darum erst im fortgeschrittenen Stadium auf.
(eb)

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