Ärzte Zeitung online, 11.06.2009

Uni Hamburg erforscht Potenzial des PCA3-Tests bei Prostatakrebs

HAMBURG-EPPENDORF(eb). Die Hoffnung auf effektivere Tests zum Nachweis von Prostatakrebs wächst. Im Mittelpunkt der wissenschaftlichen Diskussion steht der PCA3-Test zum Nachweis von Krebszellen im Urin. Immer mehr Patienten verlangen nach diesem neuen Verfahren, damit sie eine höhere Sicherheit haben, ob ein Tumor in ihrer Prostata wächst oder nicht.

Nach dem derzeitigen Stand der Forschung ist dieser einfache Test ein ergänzender Parameter zum herkömmlichen PSA-Bluttest und zur Biopsie. Denn viele Patienten müssen sich immer noch unnötig der Prozedur einer Biopsie unterziehen, ohne dass erkannt wird, ob ein Krebs vorliegt bzw. behandlungsbedürftig ist. Auch die oftmals suspekten PSA-Ergebnisse sind keine verlässliche Hilfe im Kampf gegen den Männerkrebs.

Die Ärzte an der Martini-Klinik am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf haben sich deshalb entschieden, bei der Diagnose von Prostatakrebs zusätzlich zum PSA-Wert auch auf den PCA3-Test zu setzen. In Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Urologen und ihren Patienten soll der sogenannte PCA3-Score in Urinproben bestimmt werden -durch diese Bestimmung lässt sich das Risiko eines Karzinoms in einer Biopsie ermitteln. Auf Basis dieser Daten werden die vorliegenden Ergebnisse aus den USA und aus multizentrischen europäischen Studien überprüft.

"Wir haben in Zusammenarbeit mit dem UKE die einmalige Chance, das Potenzial dieses neuen Markers zu prüfen und damit mehr zu leisten als nur die Analyse des PCA3-Scores im Labor", betont Privatdozent Alexander Haese in einer Mitteilung des UKE. Wesentliches Ziel sei es auch, die Anzahl der unnötigen Biospien zu reduzieren und den betroffenen Patienten mehr Sicherheit zu bieten. "Wir wollen vor allem klären, zu welchem Zeitpunkt eine PCA3-Bestimmung sinnvoll ist: Vor der ersten, vor der zweiten oder vor erweiterten Biopsieschemata", ergänzt Haese, dessen Studie zur klinischen Wertigkeit des Urintests im November 2008 im European Urology veröffentlicht wurde.

Die Martini-Klinik, Zentrum für die Diagnose und Behandlung von Prostatakrebs, bietet daher allen niedergelassenen Urologen Teströhrchen für den PCA3-Test und einen Analyseauftrag an. Dieses Material kann nach dem Gespräch mit dem Patienten in der Praxis und seiner Einwilligung angefordert werden.

Der Urologe sendet den Urintest und die unterzeichneten Unterlagen anschließend in die Martini-Klinik zurück. "Wir werden die zuweisenden Kollegen in regelmäßigen Abständen kontaktieren, um den weiteren klinischen Verlauf des Patienten und vor allem das Ergebnis der Biopsie zu erfragen. Durch diese enge Abstimmung können wir unsere Datenbank erweitern", so Haese.

PCA3 ist ein Prostata-spezifisches Gens

Das PCA3-Gen wird ausschließlich in der Prostata exprimiert. Bei einem Karzinom exprimieren die Zellen das Gen 60- bis 100-fach stärker. Die passende Boten-RNA lässt sich im Urin nachweisen.

Die Patienten werden auf der erweiterten Internetseite der Martini-Klinik über den Nutzen des PCA3-Tests informiert. Die Kosten von rund 300 Euro werden derzeit von den gesetzlichen Krankenkassen nicht übernommen. Sie müssen als IGeL-Leistung abgerechnet werden. Einige private Krankenversicherungen erstatten die Kosten für den Urintest. Notwendig sind jedoch individuelle Absprachen zwischen dem Versicherten und seiner Krankenversicherung.

www.martini-klinik.de

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Körperlich aktive Kinder werden seltener depressiv

Bewegen sich Kinder viel, entwickeln sie in den kommenden Jahren seltener depressive Symptome. Viel körperliche Aktivität könnte daher präventiv wirken. mehr »

Generelle Landarztquote ist vom Tisch

Der Masterplan Medizinstudium 2020 ist in trockenen Tüchern. Länder können, müssen aber keine Zulassungsquote für Landärzte in spe festlegen. mehr »

Star Trek und die Ethik der Medizin

Ärztliche Fortbildung sind immer dröge Veranstaltungen? Eine Veranstaltung in Frankfurt ist der medizinethischen Wertewelt von Raumschiff Enterprise auf den Grund gegangen - und zeigt, was Ärzte aus der Serie lernen können. mehr »