Ärzte Zeitung online, 01.11.2010

Zusätzliche Marker fürs Prostatakarzinom gesucht

BERLIN (gvg). Eine Lanze für den PSA-Wert wurde beim Europäischen Forum Onkologie 2010 gebrochen. Deutlich wurden aber auch die Schwächen der PSA-Bestimmung und der Bedarf nach genaueren Prognoseparametern.

Die Häufigkeit des Prostatakarzinoms hat in den vergangenen 15 Jahren stark zugenommen: "Von 30 000 im Jahr 1995 hat sich die Inzidenz nach Daten des Robert Koch Instituts auf über 60 000 im Jahr 2010 mehr als verdoppelt", berichtete Professor Hartwig Huland von der Uniklinik Hamburg-Eppendorf.

Dieser Anstieg sei nur teilweise durch vermehrte PSA-Tests erklärbar. Da in der gleichen Zeit die Zahl der 55- bis 75-Jährigen in Deutschland von rund sieben auf knapp zehn Millionen zugenommen habe, gingen etwa 40 Prozent des Anstiegs beim Prostatakarzinom allein auf die demografische Entwicklung zurück.

Huland rekapitulierte die Probleme der PSA-Bestimmung, die nicht wegdiskutiert werden könnten. So habe die Tatsache, dass das PSA organspezifisch, aber nicht tumorspezifisch sei, zur Folge, dass sieben von zehn Patienten mit erhöhten PSA-Werten kein Prostatakarzinom hätten. Und auch bei den Patienten, die tatsächlich an Prostatakrebs erkrankt sind, lasse sich mit dem PSA-Wert nur schwer entscheiden, ob es sich um einen relevanten Tumor handele oder um einen indolenten.

Hier sind also bei positivem PSA-Test Überdiagnose und Übertherapie möglich. Auf der anderen Seite bestehe die Gefahr der Untertherapie, weil es keinen definitiven PSA-Grenzwert gebe. Auch hinter gering erhöhten PSA-Werten kann sich ein maligner Tumor verbergen, den übersieht, wer sich zu sehr auf den PSA-Grenzwert verlässt. "Wir brauchen deswegen bessere Klassifikationssysteme, die die Heterogenität des Prostatakarzinoms besser abbilden", sagte der Experte.

In der Summe überwiegen für Huland die Vorteile des PSA-Wertes dessen Nachteile. Denn sowohl die radikale Prostatektomie als auch die Radiotherapie gingen heute wesentlich seltener mit Komplikationen einher, als noch vor einigen Jahren. So bleiben 95 Prozent der Patienten unter 55 Jahre und etwa 85 Prozent der 55- bis 65-Jährigen kontinent. Auch die Potenz werde bei beidseitig nervenschonender Operation bei Patienten unter 55 Jahren nahezu immer erhalten.

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