Ärzte Zeitung online, 22.11.2011

Prostatakrebs steht nicht nur auf Eier

Mann hat's nicht leicht beim Essen: Nicht nur Rind- und Schweinefleisch erhöhen das Risiko für gefährliche Prostatatumoren, sondern auch Eier und Grillhähnchen.

Von Thomas Müller

Prostatakrebs steht auf Eier und Grillhähnchen

Ei in der Pfanne: In Masse günstig für ein erhöhtes Prostatakrebs-Risiko.

© Murat Subatli / fotolia.com

SAN FRANCISCO. Geht es nach den Erkenntnissen einer neuen Studie, dann müssten sich Männer streng vegetarisch ernähren, wenn sie denn ihr Risiko minimieren wollen, eines Tages an Prostatakrebs zu sterben.

Dass der Konsum von rotem Fleisch wie Schweinewurst und Rinderhack dieses Risiko erhöht, hatten zuvor schon Studien angedeutet. Jetzt wird Männern auch noch der Appetit auf das Frühstücksei und das gegrillte Hähnchen madig gemacht.

US-Urologen um Dr. Erin Richman aus San Francisco haben Daten von 27.600 Männern einer prospektiven Kohortenstudie ausgewertet, und danach nützt es wenig, vom Schwein aufs Huhn umzusteigen. (Cancer Prev Res; 4; 1-12).

Drei Eier pro Woche schon kritisch

Die Männer in der Studie waren zu Beginn alle im Alter von 40 bis 75 Jahren und wurden 14 Jahre lang regelmäßig untersucht. In dieser Zeit erkrankten etwa 3100 von ihnen an Prostatakrebs (11,3 Prozent), 199 starben (0,72 Prozent aller Männer).

Per Fragebogen analysierten die Studienautoren, was die Männer so alles vor und nach der Krebsdiagnose gegessen hatten.

Überraschenderweise ging nur der Konsum von Eiern mit einer statistisch signifikanten Rate für ein tödliches Prostatakarzinom einher: Bei Männern, die 2,5 oder mehr Eier pro Woche konsumierten, war die Rate 81 Prozent höher als bei solchen, die weniger als eine halbes Ei pro Woche aßen.

Nur geringe Studiengruppe

Der Zusammenhang galt auch unter Berücksichtigung bekannter Risikofaktoren wie hoher BMI, wenig Sport sowie Rauchen.

Bei Männern, die mehr als drei Portionen verarbeitetes rotes Fleisch pro Woche aßen, war die Rate zwar ebenfalls stark erhöht, und zwar um 50 Prozent im Vergleich zu solchen, die weniger als eine halbe Portion zu sich nahmen.

Aufgrund der kleinen Fallzahl reichte es jedoch nicht für eine statistische Signifikanz. Als eine Portion verarbeitetes Fleisch galten etwa eine Hot Dog, zwei Scheiben Wurst oder ein Hackfleisch-Hamburger.

Bei unverarbeitetem Fleisch - etwa als Schnitzel - war kein erhöhtes Risiko festzustellen, ganz im Gegenteil, die Prostatakrebs-Sterberate war hier sogar bei hohem Konsum eher erniedrigt, wenn auch nicht signifikant.

Hohe Cholin-Werte im Serum

Nun schaute Richmans Team, ob auch die Ernährung nach der Krebsdiagnose Rückschlüsse auf das Sterberisiko zuließ. Hierbei kamen die Urologen allerdings zu keinen statistisch belastbaren Resultaten.

Am ehesten ging noch der Konsum von viel Hühnchen und von viel verarbeitetem Fleisch mit einer erhöhten Sterberate einher, und zwar um 70 Prozent bei Hühnchen und um 45 Prozent bei Hack- und Wurstwaren. Der Konsum vieler Eier schien die Progression von Prostatatumoren in dieser Phase jedoch nicht mehr zu beeinflussen.

Immerhin sind die Autoren um eine Erklärung nicht verlegen, sollte sich auch in weiteren Studien herausstellen, dass Eier und Hühner das Risiko für tödliche Prostatatumoren erhöhen.

So enthalten Eier viel Cholin, was das Wachstum und die Progression von Prostatakrebszellen zu fördern scheint. In einer Studie war im Quartil der Teilnehmer mit den höchsten Cholin-Serumwerten die Prostatakrebsrate um knapp 50 Prozent erhöht.

Kanzerogene Amine in gerösteter Haut

Bei Hühnchen stehen vor allem heterozyklisch Amine unter Krebsverdacht. Sie entstehen, wenn die Haut der Vögel gegrillt wird. Grillhähnchen gelten als die Hauptquelle für solche Substanzen.

In anderen Studien war die Prostatakrebsrate bei Männern, die viele Vögel mitsamt Haut aßen - also überwiegend Grillhähnchen - um fast das Zweieinhalbfache erhöht, nicht aber bei Geflügel ohne Haut.

Und für das erhöhte Risiko bei verarbeitetem Fleisch könnten Nitrite und Nitrate eine Ursache sein: Aus ihnen entstehen im Körper kanzerogene Nitrosamine.

Sollte Mann also doch lieber Vegetarier werden? Die Wahrscheinlichkeit, innerhalb von 14 Jahren an Prostatakrebs zu sterben, lag in der vorgestellten US-Studie bei weniger etwa 0,7 Prozent.

Jeder Mann darf sich also fragen ob, es ihm die Mühe wert ist, dieses niedrige Risiko durch eine Ernährungsumstellung noch einmal knapp zu halbieren und damit auf etwa 0,4 Prozentpunkte zu senken.

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[17.03.2015, 14:12:37]
Dr. Wolfgang P. Bayerl 
man muss schon wenigstens wissen, was "processed red meat " bedeutet, um nicht in die Vegetarier-Ecke abzurutschen :-)
"Bei unverarbeitetem Fleisch - etwa als Schnitzel - war kein erhöhtes Risiko festzustellen, ganz im Gegenteil, die Prostatakrebs-Sterberate war hier sogar bei hohem Konsum eher erniedrigt "
Das zählt, denn Fleisch, auch rotes, nicht der Fettanteil, oder irgendwelche Begleitstoffe (Nitrit, offiziell erlaubt!)
schützt eher vor Krebs.
Übergewicht freilich nicht.

mfG zum Beitrag »
[19.12.2011, 18:13:13]
Dr. Bernhard reiß 
Porstatakrebs und Ernährung- weiter unklar
Die üblichen Verdächtigen werden verantwortlich gemacht. Da das schlimme Cholesterin bei cardiovaskulären Erkrankungen inzwischen mit einem Score versehen werden mußte, um das tatsächliche Risiko benennen zu können, muß nun etwas neues her. Die These, daß ein hoher Cholesterinspiegel das Prostatatumorwachstum erhöhe, ist gefährlich. Es gibt reichlich Material, daß Eier genau das nicht tun. Und wir hören sie schon: esst kein Fleisch, das ist ungesund. In hat sich in der Studiegezeigt, daß z.B. erhöhter Schnitzelkonsum das Risiko eher senkt. Und nun?? Mehr Fragen als Antworten. Sechs, setzen! zum Beitrag »
[23.11.2011, 10:06:40]
Dr. Ludwig Rogg 
Dumme Studien
Es gibt viele dumme Studien. Diese gehört sicher nicht zu den intelligentesten. Bp. "Vögel mit und ohne Haut"!!! zum Beitrag »

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