Ärzte Zeitung online, 04.02.2013

Low-Risk Prostata-Ca

Sofortige Op bringt keinen Vorteil

Was bedeutet es für die Prognose eines Prostatakrebs-Patienten, wenn der Tumor während der aktiven Überwachung fortschreitet, sodass schließlich doch prostatektomiert werden muss?

Sofortige Op bringt keinen Vorteil

Prostata-Op: Schneller oder später Eingriff?

© Klaro

TORONTO. Die aktive Überwachung von Prostatakrebs bringt offenbar auch dann keine prognostischen Nachteile, wenn im Laufe der Zeit die Tumorerkrankung fortschreitet und die Prostata doch entfernt werden muss; zumindest gilt dies im Vergleich zu sofort Operierten mit ähnlichem präoperativem Tumorstatus.

Auch wenn die Strategie der Active Surveillance mit einem krankheitsspezifischen Zehn-Jahres-Überleben von 97 Prozent relativ sicher ist, schreitet bei etwa einem Drittel der Patienten im Laufe der Zeit der Tumor fort, sodass schließlich doch aktiv therapiert werden muss.

Welche Konsequenzen das für die Prognose hat, ist nicht zuletzt vor dem Hintergrund interessant, dass immer mehr überwiegend jüngeren, ansonsten weitgehend gesunden Männern mit lokal begrenztem Prostatakrebs zum Abwarten geraten wird.

Urologen des Princess Margaret Hospital der Universität Toronto hatten das Schicksal von 289 Männern, die nach Diagnose eines wenig riskanten Prostatakarzinoms aktiv überwacht wurden, anhand von deren Krankenakten rekonstruiert (J Urology 2013; online 14. Januar).

83 (29 Prozent) von ihnen mussten sich nach im Mittel rund 35 Monaten doch einer aktiven Therapie unterziehen, 41 davon (14,2 Prozent) einer radikalen Prostatektomie. Grund hierfür war eine Progression des jeweiligen Tumors zu einem bioptischen Gleason-Wert von mindestens 7.

Im Vergleich zu Männern mit Low-Risk-Karzinomen, die ebenfalls für die aktive Überwachung infrage gekommen wären, sich aber für eine sofortige Operation entschieden hatten, fiel das pathologische Ergebnis nach dem Eingriff signifikant schlechter aus.

Postoperativ kein Unterschied bei den Biopsaten

Allerdings war das zu erwarten gewesen. 36,6 Prozent der Patienten hatten T3-Tumoren (Vergleichsgruppe: 10,7 Prozent). Eine Ausdehnung der Geschwulst über die Prostata hinaus fand sich bei 29,3 Prozent (8,0 Prozent), positive Tumorränder hatten 14,6 Prozent (1,8 Prozent), einen histopathologischen Gleason-Wert von 7 wiesen 65,9 Prozent (37,5 Prozent) auf.

Kein Unterschied in den pathologischen Befunden war indes im Vergleich zu einer zweiten Gruppe von Männern festzustellen, Patienten nämlich, deren Karzinome schon bei Erstdiagnose einen Gleason-Wert von 7 hatten und die primär operativ behandelt wurden.

Für die Patienten vielleicht wichtiger war der Blick auf die funktionellen und onkologischen Ergebnisse der jeweiligen Therapiestrategien. Die Nachbeobachtungszeit betrug hier rund vier Jahre ab Prostatektomie.

Bei 29 Prozent der Patienten, die nach aktiver Überwachung hatten operiert werden müssen, war das Erektionsvermögen erhalten. Bei Patienten mit Tumoren geringen Risikos, die sich sofort hatten operieren lassen, erreichte die Quote 41,5 Prozent, keine signifikante Differenz.

In puncto Kontinenz lagen die Raten bei 89,7 Prozent beziehungsweise 93,6 Prozent, ein ebenfalls unerheblicher Unterschied. Auch biochemische Rezidive waren mit 2,6 Prozent nach Überwachung und 5,4 Prozent nach rascher Operation praktisch gleich selten.

Aus ihren Ergebnissen schließen die Studienautoren zweierlei. Erstens, vergleicht man Gruppen von Prostatakrebs-Patienten mit ähnlichen präoperativen Biopsieparametern, macht es postoperativ mit Blick auf die Pathologie keinen wesentlichen Unterschied, ob die Patienten primär operativ oder zunächst abwartend behandelt worden sind.

Betrachtet man, zweitens, die funktionellen und onkologischen Resultate bei Low-Risk-Patienten, haben abwartend behandelte Männer, die sich schließlich doch unters Messer legen müssen, offenbar keine Nachteile gegenüber solchen, die sofort operiert werden. (dk/rb)

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