Ärzte Zeitung online, 06.02.2013

Prostata-Ca

Ultraschall gegen begrenzte Tumoren

Eine große deutsche Studie zeigt: Hochintensiver Ultraschall durch den Allerwertesten hilft bei Prostatakrebs - wenn die Bedingungen stimmen.

Ultraschall gegen begrenzte Tumoren

Viel Erfolg.

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REGENSBURG. Die transrektale Therapie beim lokalisierten Prostata-Ca. mit hoch intensivem fokussiertem Ultraschall (HIFU) eignet sich einer großen deutschen retrospektiven Untersuchung zufolge für ältere Männer mit einer Lebenserwartung von wenigstens zehn Jahren.

Das biochemisch definierte rezidivfreie Überleben betrug in der Studie nach fünf Jahren über 80 Prozent. Aussagen über das Therapieergebnis bei jüngeren Patienten sind noch nicht möglich.

In den vergangenen 15 Jahren sind weltweit mehr als 25.000 an Prostatakrebs erkrankte Männer mit HIFU behandelt worden.

In manchen Ländern, etwa in Italien, Frankreich und Großbritannien, wird die HIFU inzwischen von Fachgesellschaften bei bestimmten Patienten empfohlen. Eine entsprechende Empfehlung fehlt unter anderem in Deutschland.

Ihre guten Erfahrungen mit der Methode stellen jetzt Urologen um Privatdozent Roman Ganzer vom Caritas-Krankenhaus St. Josef, dem akademischen Lehrkrankenhaus der Universität Regensburg vor (BJUI 2013; online 28. Januar).

Zwischen 1997 und 2009 haben sie fast 540 Männer mit dieser Methode behandelt. Die Tumoren der meisten Studienteilnehmer waren im Frühstadium T1c und T2, also noch auf die Prostata begrenzt.

Der Gleason-Score lag bei 75 Prozent der Patienten unter sechs. Etwa 17 Prozent der Patienten wurden nach den D'Amico-Kriterien der Hochrisikogruppe zugeordnet (Gleason-Score ≥ 8, PSA > 20 ng/ml). Im Mittel waren die Männer 68 Jahre alt.

Bei Hochrisikopatienten nicht als First line

Das Follow-up betrug im Mittel acht Jahre (2,1 bis 14 Jahre) - nach Angaben der Regensburger Ärzte das längste, über das bisher berichtet wurde.

Der Erfolg der Therapie orientierte sich unter anderem an dem biochemisch definierten Parameter "krankheitsfreies Überleben" nach den Phoenix-Kriterien (Rezidiv bei Anstieg des PSA-Wertes um 2 ng/ml über den tiefsten PSA-Wert).

Danach waren insgesamt betrachtet fünf Jahre nach der HIFU-Behandlung 81 Prozent der Behandelten rezidivfrei, nach zehn Jahren immerhin noch 61 Prozent.

In den Subgruppen von Patienten, die einen Tumor mit niedrigem oder intermediärem Risiko nach D'Amico hatten, lagen die Fünfjahreswerte sogar bei 88 und 83 Prozent, nach zehn Jahren bei 71 und 63 Prozent - ein zufriedenstellendes Ergebnis, so die Ärzte.

In der Hochrisikogruppe waren die Ergebnisse allerdings schlechter. Nach fünf Jahren war hier fast jeder Zweite rezidivfrei, nach zehn Jahren war das aber nur noch bei 32 Prozent der Fall.

Deshalb empfehlen Ganzer und seine Kollegen, die HIFU als Ersttherapie nicht bei Hochrisikopatienten mit einer Lebenserwartung von etwa zehn Jahren anzuwenden.

Die krebsspezifischen Überlebensraten lagen schließlich nach zehn Jahren in der Gruppe der Patienten mit niedrigem Risiko bei 100 Prozent, bei Patienten mit intermediärem Risiko bei etwas mehr als 96 Prozent. Und ohne Metastasen lebten nach diesem Zeitraum noch 99,6 beziehungsweise 94,3 Prozent.

Die Methode ist nicht frei von Nebenwirkungen. Die häufigste unerwünschte Wirkung war in der Studie die Blasenauslass-Obstruktion (BOO, bladder outlet obstruction) bei fast 30 Prozent der Patienten.

Zwar lasse sie sich durch transurethrale Inzision ohne Komplikation beheben, doch sollten die Patienten vor der HIFU auf die hohe Rate dieser Nebenwirkung der HIFU hingewiesen werden.

Ganzer und seine Kollegen weisen darauf hin, dass für die HIFU Geräte eines einzigen Herstellers verwendet wurden, allerdings im Verlauf der Studie Geräte von drei verschiedenen Generationen. Das könne die Studienergebnisse möglicherweise beeinflusst habe. (ple)

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