Ärzte Zeitung online, 11.02.2015

Zusammenhang untersucht

Frühe Glatze, hohes Prostata-Krebsrisiko?

Androgene sind sowohl für das Haar- als auch das Prostatawachstum bedeutsam. Forscher haben den Zusammenhang nun genauer unter die Lupe genommen.

Von Thomas Müller

Frühe Glatze, hohes Prostata-Krebsrisiko?

Was sagt eine frühe Glatze über das Prostata-Krebsrisiko aus?

© Sabine Immken / fotolia.com

MARYLAND. Der Zusammenhang ist auf den ersten Blick bestechend: Hohe Werte des Androgens Dihydrotestosteron (DHT) sorgen bei Männern mit androgenetischer Alopezie für einen vorzeitigen Haarverlust, gleichzeitig begünstigen hohe Androgenwerte das Prostata-Ca.-Risiko.

Gut möglich also, dass ein Prostatatumor bei Männern umso wahrscheinlicher auftritt, je früher oder je vollständiger sie ihr Haar verlieren.

Möglicherweise hat auch die Art des Haarverlust etwas mit dem Krebsrisiko zu tun. Einige Studien hatten in der Vergangenheit entsprechende Hinweise geliefert, andere aber nicht.

Zudem stammten die meisten der bisherigen Daten aus Fall-Kontroll-Studien mit recht begrenzter Aussagekraft, und in den wenigen Kohortenstudien fehlten oft Angaben zum Zeitpunkt des Haarverlusts, bemängeln Krebsforscher um Cindy Ke Zhou vom National Cancer Institute in Maryland.

Daten von 32.500 Männern

Die Wissenschaftler haben nun versucht, solche Defizite über eine Analyse von Daten der Kohortenstudie "Vitamins And Lifestyle" (VITAL) zu vermeiden (Zhou CH et al., Prostate 2015; 75: 415-423).

Sie konnten dabei Angaben zu über 32.500 Männern auswerten - unter anderem zum Haarwuchs.

Den Männern, die zum Beginn der Studie zwischen 50 und 76 Jahre alt waren, wurden drei Abbildungen zum Haarstatus gezeigt: weitgehend volles Haar (Norwood-Hamilton-Stadium I und II), nur stirnseitig fortschreitender Haarverlust (Stadium IIa bis IVa) oder stirnseitig und zugleich vom Scheitel kreisrund fortschreitender Haarausfall (Stadium III-Scheitel bis VII).

Sie sollten angeben, welches der Bilder im Alter von 30 und 45 Jahren sowie aktuell am ehesten zutraf.

Auch kein erhöhtes Risiko für aggressive Tumoren

Mit 30 Jahren hatten danach 20 Prozent bereits einen androgenetischen Haarverlust, 46 Prozent waren es mit 45 Jahren und zum Studienbeginn 61 Prozent.

Im Laufe von neun Jahren wurden nun in der VITAL-Studie bei 2306 Männern Prostatatumoren aufgespürt. Im Schnitt waren die Männer zum Zeitpunkt der Diagnose 69 Jahre alt.

Wie nicht anders erwartet, fanden die Forscher einige der üblichen Risikofaktoren: Die Rate für ein Prostata-Ca. war besonders bei den Männern hoch, bei denen Familienangehörige erkrankt waren, die rauchten oder geraucht hatten, die viel Alkohol tranken oder über eine BPH klagten.

Allerdings zeigte sich weder ein Zusammenhang zwischen Prostata-Ca.-Rate und Alopezie zu irgendeinem Zeitpunkt noch ein Zusammenhang mit Art und Intensität des Haarverlustes.

So hatten etwa von den Teilnehmern ohne spätere Prostatakrebs-Diagnose zum Studienbeginn 51 Prozent angegeben, mit 45 keinen oder nur einen geringen Haarverlust bemerkt zu haben, nur etwas weniger, nämlich 50,5 Prozent waren es in der Gruppe mit späteren Prostatatumoren.

Der geringe Unterschied war natürlich nicht statistisch signifikant.

Schauten sich die Forscher nun die Art der Tumoren genauer an und teilten sie in aggressive oder nicht aggressive Geschwülste, dann ergab sich ebenfalls kein Zusammenhang mit einer Alopezie.

Egal, in welchem Alter der Haarverlust auftrat, die spätere Rate aggressiver und nicht aggressiver Tumoren war statistisch nicht signifikant höher als bei denen mit vollem Haar, der Unterschied schwankte zwischen minus 9 und plus 6 Prozent.

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