Ärzte Zeitung online, 23.07.2009

Charité: 15-jähriger Tumorpatient starb nicht an Chemotherapie-Überdosis

BERLIN (dpa). Nach dem Tod eines 15-jährigen Jungen, der am Berliner Klinikum Charité eine Überdosis eines Krebsmedikaments bekommen hatte, weist die Klinik Vorwürfe zurück. Zwischen dem Behandlungsfehler und dem Tod des Kindes gebe es keinen Zusammenhang, sagte Charité-Sprecherin Kerstin Endele am Donnerstag.

  "Die weiterbehandelnden Ärzte gehen aufgrund ihrer Befunde davon aus, dass das Kind an seiner rasch fortschreitenden Tumorerkrankung verstorben ist." Einer von den Ärzten vorgeschlagenen Obduktion hätten die Eltern nicht zugestimmt. Ein Chirurg hatte dem krebskranken Jungen aus Versehen die hundertfache Dosis eines Zellgifts gespritzt. Der 15-Jährige fiel ins Koma und starb Ende Februar.

Künftig dürften daher nur noch Krebs-Spezialisten das Mittel verabreichen. "Um solche Vorkommnisse in der Zukunft zu verhindern, wurde veranlasst, dass nur noch Onkologen und nicht die Chirurgen dieses Medikament verabreichen dürfen", sagte Endele.

Medien hatten über den Tod des Jungen und die Überdosis berichtet. Der behandelnde Arzt ist nach Informationen der "Berliner Morgenpost" lediglich ermahnt worden und darf weiter operieren. Die Mutter des Jungen wolle den Mediziner zur Rechenschaft ziehen, hoffe aber, sich außergerichtlich mit ihm einigen zu können.

   Der Junge war im November wegen eines Hirntumors sowie Metastasen in der Wirbelsäule operiert worden. Dabei spritzte ihm der Arzt fälschlicherweise nicht ein Milligramm des Zellgifts, sondern die hundertfache Dosis. Unmittelbar danach versuchte der Arzt, das überdosierte Medikament wieder auszuwaschen. Die Charité bedauerte den Fall und das "außerordentlich schwere Schicksal, das die Familie zu tragen hat" und sprach den Eltern ihr Mitgefühl aus.

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