Ärzte Zeitung online, 21.09.2009

Mit Immunzellen wollen Ärzte Glioblastome bekämpfen

WÜRZBURG (eb). Trotz einer Kombinationstherapie aus Operation, Bestrahlung und Chemotherapie haben Patienten mit Glioblastom immer noch eine sehr schlechte Prognose. Wissenschaftler der Universitäts-Kinderklinik Würzburg entwickeln derzeit eine Immuntherapie gegen diesen besonders bösartigen Gehirntumor.

zur Großdarstellung klicken

Glioblastom okzipital mit heller, ringförmiger Kontrastmittel-Aufnahme.

Foto: Bundeswehrkrankenhaus Berlin, Neurochirurgie, Professor K. Maier-Hauff

Glioblastome kommen sowohl im Erwachsenen- als auch im Kindesalter vor. Neue Therapieansätze werden dringend benötigt. Die Immuntherapie könnte ein solcher, viel versprechender Ansatz sein. "Im Körper von Patienten, die an einem Glioblastom erkrankt sind, finden wir so genannte tumorspezifische T-Zellen, mit denen sich der Tumor bekämpfen lässt." Darauf weißt Professor Paul G. Schlegel, Leiter des Schwerpunkts Pädiatrische Onkologie, Hämatologie, Stammzelltherapie an der Universitäts-Kinderklinik in einer Mitteilung der Uni Würzburg hin.

Der Vorteil von T-Zellen ist, dass sie wie Wächter des Immunsystems durch den Körper patrouillieren können und nur aktiv werden, wenn sie auf eine für sie auffällige Struktur stoßen - in diesem Fall das Tumorgewebe. Gesundes Gewebe wird von den Zellen in Ruhe gelassen.

Allerdings kommen diese Zellen nur in sehr geringer Zahl vor. "Ziel unseres Projektes ist es deshalb, die wenigen im Blut der Patienten vorhandenen tumorspezifischen T-Zellen im Labor so zu vermehren, dass sie mit guter Funktion und in großer Zahl zur T-Zell-Therapie zur Verfügung stehen", so Schlegel.

Das Projekt der Forschergruppe an der Universitäts-Kinderklinik ist Teil von BayImmuNet, dem Bayerischen Immuntherapie-Netzwerk, das vor einem Jahr seine Arbeit mit fünf Forschergruppen aufgenommen hat. Nun hat sich das Netzwerk um zehn Forschungsprojekte erweitert, die vom Freistaat Bayern mit 2,4 Millionen Euro gefördert werden.

Begonnen wurde das Projekt allerdings schon im Jahr 2008, nachdem der Mediziner Dr. Matthias Wölfl nach einer Forschungstätigkeit am Fred Hutchinson Cancer Research Center in Seattle, USA zu der Gruppe um Professor Schlegel hinzukam.

"Dank der Anschubfinanzierung der hiesigen Elterninitiativen, großzügiger Benefizveranstaltungen sowie eines Stipendiums der Kind-Philipp-Stiftung konnten wir die Grundlagen für das jetzige Vorhaben schaffen. Umso mehr freut es uns, dass wir jetzt durch BayImmuNet gefördert werden", so die beiden Wissenschaftler.

Gemeinsam werden sie in den kommenden Monaten aus dem Blut der Patienten die Zellen heraussuchen, die sich am Besten eignen, und die Methoden so anpassen, dass das T-Zell-Produkt am Ende auch den Vorschriften des Arzneimittelgesetzes entspricht. "Hier muss noch viel Arbeit geleistet werden, und BayImmuNet ermöglicht uns - sowohl durch die finanzielle Unterstützung als auch durch die Vernetzung und Zusammenarbeit innerhalb der von BayImmuNet geförderten Gruppen - unserem Ziel einer klinischen Studie näher zu kommen."

"Immuntherapie rettet heute bereits vielen Menschen das Leben. Mit den Forschungsansätzen im Bayerischen Immuntherapie-Netzwerk wollen wir aber bei Krebs-, Infektions- und Autoimmunerkrankungen neue Therapien anwenden, wo konventionelle Konzepte zunehmend an ihre Grenzen stoßen", so Professor Reinhard Andreesen, Wissenschaftlicher Leiter von BayImmuNet.

Der Freistaat Bayern finanziert BayImmuNet in den Jahren 2008 bis 2011 mit bis zu zehn Millionen Euro. Dazu kommen noch Eigenmittel, die die geförderten Universitäten selbst aufbringen müssen, so dass insgesamt bis zu 14 Millionen Euro in die Forschung an Immuntherapien fließen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Luftschadstoffe beeinträchtigen viele Organsysteme

Die Lunge gilt zwar als Eintrittspforte für Schadstoffe aus der Luft, kurz- und langfristige Gesundheitsschäden scheinen jedoch vor allem im Herzkreislaufsystem aufzutreten. mehr »

Für die Union ist Substitution von Ärzten kein Tabu

Nichtärztliche Gesundheitsberufe sollen stärker in die Versorgung eingebunden werden, fordert die Union. Ärztepräsident Montgomery benennt die Fallstricke für solche Pläne. mehr »

Frühe ART wirkt protektiv

Die frühe antiretrovirale Therapie (ART) schützt HIV-Patienten vor schweren bakteriellen Infektionen. mehr »