Ärzte Zeitung online, 05.02.2010

An Aminosäure lässt sich früh erkennen, ob Hirntumor-Erkrankung fortschreitet

KÖLN (eb). Die Aminosäure Methionin reichert sich offenbar bei Patienten mit Hirntumoren im Krebsgewebe an. Diese Entdeckung könnte künftig dazu beitragen, das Fortschreiten der Krebserkrankung etwa bei Gliompatienten besser diagnostizieren zu können.

Primäre Hirntumoren wie Gliome nach Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) richtig zu klassifizieren, hat einerseits einen hohen prognostischen Wert für den Patienten und ist andererseits von großer klinischer Bedeutung für die behandelnden Ärzte. Während etwa ein Tumor der Kategorie II nur operativ angegangen und mit einer Überlebensspanne von 6 bis 8 Jahren angegeben wird, werden solche der Kategorie III nach erfolgter Operation zusätzlich bestrahlt und chemotherapeutisch behandelt. Hier liegt die zu erwartende Überlebenszeit bei ungefähr drei Jahren.

Da Krebszellen im Gehirn auch gesundes Gewebe durchsetzen, bleiben unabhängig von der Behandlungsmethode transformierte Zellen im Kopf zurück. Sie sind Ausgangspunkt für ein Rezidiv, das nach WHO-Vorgaben häufig einer höheren Kategorie zuzuordnen ist. Dabei handelt es sich um eine maligne Progression, die einen Therapiewechsel erfordert. Diese biologische Wertigkeit eines Hirntumors richtig einzuschätzen, war bisher schwierig.

Methionin wird bereits seit etwa 20 Jahren in der bildgebenden Darstellung von Hirntumoren genutzt. Jetzt offenbarte die Aminosäure in einer retrospektiven Langzeitstudie ein weiteres Potenzial: ihre veränderte Anreicherung im Tumorgewebe könnte künftig zur Bestimmung einer malignen Progression dienen, wie jetzt das Max-Planck-Institut für neurologische Forschung in Köln mitteilt. "Es gibt erstmalig ein nicht-invasiv gewonnenes Kriterium, welches mit hoher Genauigkeit Ärzten und Patienten gleichermaßen die bestmögliche Therapieform nahelegt", so Dr. Roland Ullrich vom Kölner Institut, der an dieser Studie mitwirkte.

Die 1993 begonnenen Messungen nutzten den in Krebszellen erhöhten Stoffwechsel aus. Dieses besonders aktive Gewebe benötigt außer Zuckermolekülen und Sauerstoff auch Aminosäuren wie Methionin. Infundiert man die zuvor radioaktiv markierte Aminosäure als Tracer-Substanz über die Armvene, so reichert sie sich im Tumorgewebe an und kann mit Hilfe der Positronen-Emissions-Tomographie (PET) aufgespürt werden.

Mit einer Methionin-Halbwertszeit von nur 20 Minuten kann diese Art der Messung nur an Forschungseinrichtungen vorgenommen werden, die die radioaktive Substanz selbst herstellen können. Nach 17 Jahren der Zusammenarbeit des MPI für neurologische Forschung mit Wissenschaftlern vom Wolfson Molecular Imaging Center in Manchester sowie dem European Institute for Molecular Imaging in Münster legt die Auswertung des Datenmaterials nahe, dass eine maligne Progression mit einer Zunahme der MET-Anreicherung im Tumor von knapp 15 Prozent - bezogen auf den individuellen Ausgangswert - einhergeht. Es konnte außerdem beobachtet werden, dass diese Zunahme einhergeht mit einer erhöhten Menge an Substanzen, die für die Neubildung von Blutgefäßen verantwortlich sind - ein möglicher Ansatzpunkt für neue Therapien.

Die Ergebnisse der Methioninstudie wurden im "Journal of Nuclear Medicine" (50 / 12, 2009, 1962) publiziert.

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