Freitag, 19. März 2010
Ärzte Zeitung online, 05.02.2010

EU bewilligt 6 Millionen Euro zur Erforschung der Blut-Hirn-Schranke

FRANKFURT (eb). Die Blut-Hirn-Schranke stellt für viele Arzneimittel ein unüberwindliches Hindernis dar. An ihr scheitert oft die medikamentöse Behandlung von Erkrankungen des zentralen Nervensystems. Um dies zu ändern, gibt es von der EU Forschungsgelder.

Das Europäische Konsortium JUSTBRAIN erhält sechs Millionen Euro für drei Jahre zur Verbesserung der Therapie neurologischer Erkrankungen.

Lange waren die molekularen Mechanismen, die zur Ausbildung der BHS in Hirnkapillaren führen, weitgehend unbekannt. Erst kürzlich konnte eine Gruppe von Dr. Stefan Liebner am Frankfurter Neurologischen Institut zeigen, dass ein bestimmter Signalweg (Wnt) maßgeblich dazu beiträgt, dass die Endothelzellen an der BHS sich wie bei einem Reißverschluss eng miteinander verknüpfen (tight junctions). Der Wnt-Signalweg reguliert Gene, die für die Ausbildung von tight junctions und Transportsystemen essenziell sind.

Diese Entdeckung ist Grundlage des Forschungsvorhabens im Rahmen des JUSTBRAIN Konsortiums, das sich zum Ziel gesetzt hat, die Regulation der Zell-Zell-Verbindung in Hirnkapillaren besser zu charakterisieren. Ziel ist deren Öffnung, so dass Wirkstoffe, welche die BHS unter normalen Bedingungen nicht passieren können, ins Gehirn gelangen. Der Fokus liegt dabei auf Glioblastomen. Die Behandlung wird dadurch erschwert, dass die BHS-Funktion im stark wachsenden Tumorrand intakt bleibt, während sie im Zentrum des Tumors gestört ist.

Das Konsortium besteht aus Arbeitsgruppen der Goethe-Uni, der Uni Bern, des FIRC Instituts für Molekulare Onkologie in Mailand, dem Leibnitz-Institut für Molekulare Pharmakologie in Berlin, dem INSERM in Paris und der Firma Roche in Basel.

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