Ärzte Zeitung online, 25.02.2010

Forschungsverbund zu seltenen Hirntumoren

BERLIN (ple). In einem Verbundprojekt der Deutschen Krebshilfe entsteht derzeit das Deutsche Gliomnetzwerk, in dem die Daten aller Gliompatienten in Deutschland zusammengetragen werden.

Forschungsverbund zu seltenen Hirntumoren

Ziel des Projekts sei es, Daten ganz unabhängig davon zu sammeln, ob Patienten in Studien betreut werden oder nicht, so Professor Michael Weller aus Zürich beim 29. Deutschen Krebskongress in Berlin. Derzeit seien insgesamt acht Zentren in Deutschland aktive Partner im Verbundprojekt. Zwei weitere Zentren, und zwar in Frankfurt am Main und in Freiburg, seien assoziierte Zentren.

In dem Projekt geht es unter anderem darum zu dokumentieren, wie Gliompatienten in Deutschland behandelt werden und wie lange sie aufgrund der jeweiligen Therapie noch leben. Zudem sollen Risikoprofile erstellt und geprüft werden, welchen Einfluss molekulare Veränderungen auf die Prognose haben. Als Beispiel nannte Weller die IDH1-Mutation. IDH1 steht für Isocitrat-Dehydrogenase 1. Das Enzym wurde erst im vergangenen Jahr entdeckt, über sein Funktion ist noch wenig bekannt. Bekannt ist aber, dass bei 70 Prozent der Patienten mit sekundärem Glioblastom das entsprechende Gen mutiert ist, dagegen nur bei etwa fünf Prozent der Patienten mit primärem Glioblastom. Patienten mit dieser Mutation haben offenbar eine bessere Prognose, und das ganz unabhängig von der Art der Therapie. Die Mutation könnte nicht nur als Unterscheidungsmerkmal dienen, sondern eines Tages darüber hinaus nach Ansicht von Privatdozent Peter Hau aus Regensburg auch therapeutisch relevant werden.

Wegen dieser Ziele werden in dem Verbundprojekt nicht nur histologische Proben systematisch gesammelt, sondern gleichzeitig auch Plasmaproben der Gliompatienten. Nach Angaben von Weller sind inzwischen Gewebe- und Plasmaproben von mehr als 4000 Patienten gesammelt worden.

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