Ärzte Zeitung online, 09.05.2010

Potenzmittel machen Behandlung bei Hirntumoren effektiver

LOS ANGELES (ple). Substanzen wie das Potenzmittel Vardenafil könnten eines Tages möglicherweise auch die Krebstherapie bereichern - und zwar als Zusatzmedikament in einer Kombinationstherapie gegen Hirntumoren.

US-Forscher haben zumindest im Tierversuch belegen können, dass Krebsmedikamente wie der Antikörper Trastuzumab bei Hirntumoren in Kombination mit dem Enzymhemmer Vardenafil leichter ins Gehirn gelangen als ohne Unterstützung durch den Enzymstoff (PLoS online). Die Forscher um Dr. Julia Y. Ljubimova und Dr. Keith Black aus Los Angeles haben eine solche Kombitherapie bei Mäusen getestet, denen Tumorgewebe von Lungen- oder Brustkrebs-Patienten ins Gehirn verpflanzt wurde. Der Hintergrund für diese Strategie: Diese Tumorarten streuen Krebszellen besonders leicht ins Gehirn.

In ihren Experimenten prüften die Wissenschafter, wie gut der Hemmstoff Vardenafil - er blockiert das Enzym Phosphodiesterase  5 - die Blut-Hirnschranke beeinflusst, so dass mehr von dem Krebsmedikament die Metastasen im Gehirn erreicht. Die Forscher stellten fest, dass durch Kombination mit Vardenafil die zweifache Menge an Trastuzumab ins Gehirn gelangte als ohne zusätzlichen Enzymhemmer. Darüber hinaus lebten in den Versuchen Tiere, die die Kombinationstherapie erhielten, deutlich länger als Tiere ohne zusätzlich verabreichtes Vardenafil, nämlich statt 59 Tage mehr als 70 Tage. In Versuchen mit Zellkulturen beobachteten die US-Wissenschaftler schließlich mit Sildenafil - das ist der Wirkstoff in Viagra - ähnliche Effekte. Die Enzymhemmer sorgen offenbar dafür, dass große Moleküle wie der Antikörper Trastuzumab verstärkt durch die Bluthirnschranke transportiert werden.

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