Ärzte Zeitung, 20.07.2004

Neues Endoskop bringt Diagnostik und Therapie in den Dünndarm

Clou der neuen Technik sind zwei Ballons auf Endoskop und Übertubus

WIESBADEN (mal). Mit der Doppel-Ballon-Enteroskopie hält jetzt eine neue Endoskopie-Technik in Deutschland Einzug. Mit dieser Technik ist es erstmals möglich, nicht-invasiv den ganzen Dünndarm zu inspizieren und gleichzeitig therapeutisch zu intervenieren. Interessant ist das Verfahren etwa bei unklaren gastrointestinalen Blutungen.

Prof. Christian Ell und PD Dr. Andrea May bei einer Untersuchung mit dem Doppel-Ballon-Endoskop. Foto: P. Müller

Zur Inspektion des ganzen Dünndarms mit gleichzeitiger Option zur Therapie war bisher eine intraoperative Enteroskopie mit Laparotomie nötig. Zu den ersten Kollegen in Deutschland, die jetzt die neue Endoskopie-Technik anwenden, gehören die Ärzte um Professor Christian Ell an den Dr.-Horst-Schmidt-Kliniken in Wiesbaden.

Verwendet wird ein Videoendoskop mit Arbeitskanal und flexiblem Übertubus. Zwei - entweder gleichzeitig oder nacheinander - aufgeblasene Ballons am Endoskop und am Übertubus ermöglichen eine raupenartige Bewegung des Geräts, wie Privatdozentin Dr. Andrea May der "Ärzte Zeitung" gesagt hat.

Vier Meter Darm werden in Abschnitten von jeweils maximal 40 cm untersucht. Inspizierte Darmteile werden auf dem Übertubus zusammengeschoben, gerafft. Ist der Dünndarm mehr als vier Meter lang, kann der distale Darmabschnitt in einer zweiten, dann rektalen Untersuchung, inspiziert werden.

In Wiesbaden sind schon über 100 Patienten mit der Doppel-Ballon-Enteroskopie untersucht worden, etwa jeder zweite wegen unklarer gastrointestinaler Blutungen. Häufig würden bei ihnen Angiodysplasien entdeckt, so May. Dann sei im gleichen Untersuchungsgang auch eine Therapie möglich.

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