Ärzte Zeitung, 02.09.2004

BUCHTIP

Bauchschmerz: Ileus oder Nahrungsmittelallergie?

Ein Patient kommt mit Bauchschmerzen in die Praxis: Es drücke schon seit einiger Zeit im Bauch, aber jetzt sei der Schmerz schlimmer geworden. Und es tut überall weh: im Ober-, im Mittel-, im Unterbauch. Der Bauchschmerz läßt sich nach Auskunft des Patienten nicht regional eingrenzen, sondern betrifft das gesamte Abdomen. Eine Abwehrspannung ist nur gering ausgeprägt.

Mindestens 15 Diagnosen kommen in Frage, von vergleichsweise harmlosen Ursachen wie bakterielle Fehlbesiedlung über Nahrungsmittelallergien bis zu Darmverschluß, einer chronisch-entzündlichen Darmerkrankung oder einem Tumor. Für knifflige Fragestellungen, wie sie sich bei vergleichsweise unspezifischen Symptomen, vielleicht auch wenig bekannter Anamnese des Patienten stellen, ist das Nachschlagewerk "Differenzialdiagnose internistischer Erkrankungen" ein unersetzlicher Ratgeber. Es ist alphabetisch nach den achtzig wichtigsten Leitsymptomen gegliedert: Bauchschmerz ist das erste Symptom unter dem Buchstaben B.

Die Mammut-Aufgabe, den Arzt unter medizinisch sinnvollen Kriterien vom Symptom zu der wahrscheinlichsten Verdachtsdiagnose zu führen, ist bravourös gelöst. Schon die Kapitelübersicht, beim Bauchschmerz nach der Lokalisation der Beschwerden unterteilt, gibt erste Anhaltspunkte. Eine Übersichtstabelle, beim Bauchschmerz ebenfalls nach Lokalisation gegliedert, weist auf differentialdiagnostisch relevante, zusätzliche Symptome hin und auf Methoden, die Verdachtsdiagnose zu sichern.

Dem zirka tausend Seiten starken Hauptteil des Buches über die Diagnose haben die Autoren einen kurzen, aber lesenswerten allgemeinen Teil zu Gesprächsführung, Anamnese und "ärztlichem Blick" vorangestellt. Diese drei Abschnitte erinnern - einfühlsam geschrieben - an praktische Details, die in der täglichen Routine oft verloren gehen, in der Summe aber für den Patienten wichtig sind: Zum Beispiel, daß beim Gespräch im Sitzen eine Übereck-Position der Stühle günstiger ist als eine vis-a-vis-Position ("Behörden-Situation") oder daß sich der Arzt vor jeder körperlichen Untersuchung - möglichst für den Patienten sichtbar - die Hände waschen sollte. Die Bedeutung solch scheinbarer Nichtigkeiten erkenne der Arzt am besten, wenn er selbst Patient sei, schreiben die Autoren - vermutlich aus eigener Erfahrung.

Den klinischen Teil ergänzen ein kurzer Abschnitt über ausgewählte Diagnostik wie Autoantikörperprofile und ein Register. (nsi)

Peter Jipp, Wolfgang Zoller (Hrsg.): Differenzialdiagnose internistischer Erkrankungen, 2. Auflage, Urban und Fischer, München 2003, 1150 S., geb., mit vielen klinischen Abbildungen, 99,50 Euro ISBN 3-437-22890-0

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Ärzte können künftig Medizinalhanf verordnen

Nach jahrelanger Debatte regelt das Parlament heute den Umgang mit Cannabis als Medizin völlig neu. Krankenkassen müssen künftig die Kosten im Regelfall erstatten. mehr »

Kein Schmerzensgeld für die künstliche Ernährung des Vaters

Das Münchener Landgericht hat die Klage gegen einen Hausarzt, der einen Patienten vermeintlich unnötig lange künstlich ernähren ließ, abgewiesen. Gleichwohl attestierte es einen Behandlungsfehler. mehr »

Droht Briten eine zweite Creutzfeldt-Jakob-Welle?

In Großbritannien ist ein Mann an einer ungewöhnlichen Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung gestorben. Dies nährt Befürchtungen, wonach mehr als 20 Jahre nach der BSE-Krise eine zweite Erkrankungswelle ansteht. mehr »