Ärzte Zeitung, 22.11.2004

Reizdarm-Kranke sind oft ängstlich und depressiv

PRAG (grue). Patienten mit Reizdarm neigen zu Ängstlichkeit und Depressivität. Frustrane Therapieversuche können das noch verstärken. Häufige Spontanremissionen, wechselnde klinische Symptome und die psychische Komorbidität machen das Reizdarm-Syndrom zu einer problematischen Erkrankung.

"Das Reizdarm-Syndrom kann Patienten und Ärzte zur Verzweiflung bringen", sagte Professor Gerald Holtmann von der Uni in Adelaide in Australien auf einer Veranstaltung von Novartis in Prag. Zwar haben Patienten mit der international gebräuchlichen Diagnose Irritable Bowel Syndrom (IBS) eine normale, wegen ständiger ärztlicher Betreuung vermutlich sogar längere Lebenserwartung als nicht ständig ärztlich Betreute, "aber ihre Lebensqualität und ihre berufliche Leistungsfähigkeit sind deutlich eingeschränkt", so Holtmann.

Die Darmbeschwerden werden nach Ausschluß organischer Ursachen kaum ernst genommen, weil sie nur vorübergehend auftreten und ihr Erscheinungsbild ändern können. Bei knapp 40 Prozent der Patienten wechselten sich Perioden mit Durchfall und Verstopfung innerhalb von acht Wochen ab, so Holtmann. Die übrigen haben ein IBS, bei dem durchgehend Verstopfung oder Durchfall das Hauptsymptom ist.

Die Behandlung der Patienten sei schwierig, so Holtmann. Der Placebo-Effekt betrage nach Auswertung der Daten aus 25 Studien im Mittel 47 Prozent, weshalb er bei leichten Beschwerden keine medikamentöse Therapie empfehlen könne. Das betreffe etwa ein Drittel der Patienten.

Bei Patienten mit starken und häufigen Beschwerden ist die Darmmotilität gestört, vermutlich wegen Entgleisungen im Serotoninstoffwechsel. So haben Patienten mit IBS und Verstopfung nach Mahlzeiten erniedrigte Plasma-Serotoninspiegel und passend dazu eine verlangsamte Peristaltik.

Für Frauen mit IBS und dominierender Obstipation ist in den USA und Australien zur Kurzzeittherapie der Serotonin-Rezeptoragonist Tegaserod zugelassen, mit dem die prokinetische Wirkung rasch einsetzt und Bauchschmerzen und Blähungen gelindert werden. Auch in der Schweiz ist das Mittel erhältlich. Die EU-Zulassung soll jetzt beantragt werden.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Sind Computer bald die besseren Psychotherapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »

Kollege Computer, übernehmen Sie!

Eine computer-basierte Verhaltenstherapie kann Insomnie-Patienten den Schlaf zurückgeben. Der Erfolg ist ähnlich gut wie durch menschliche Therapeuten, bescheinigt ein kalifornischer Professor. mehr »

Kein frisches Geld in Sicht

Die umfassende Studien-reform soll zunächst ohne zusätzliches Geld auskommen. Darauf haben sich Bund und Länder geeinigt, wie aus dem vertraulichen Papier hervorgeht. mehr »