Ärzte Zeitung, 03.02.2005

Plädoyer für Op bei Divertikulitis bereits ab dem zweiten Schub

Geringes Ansprechen auf eine konservative Therapie nach mehreren Schüben

WÜRZBURG (mf). Der optimale Zeitpunkt einer chirurgischen Intervention bei Patienten mit Divertikulitisschüben ist umstritten. Privatdozent Dr. Detlef Meyer aus Würzburg plädiert dafür, die Patienten ab dem zweiten Schub auf eine elektive Sigma-Resektion anzusprechen.

Auf dieser Aufnahme des Colon transversum im Doppelkontrast sind die Kontrastmittel-gefüllten Divertikel (weiß) gut erkennbar. Foto: MRI

Bei einem ersten Schub einer Divertikulitis sollte konservativ - mit Elektrolyt- und Flüssigkeitszufuhr, kurzfristiger Nahrungskarenz und Antibiose über sieben bis neun Tage - behandelt werden, empfahl Meyer auf einer Fortbildungsveranstaltung des Universitätsklinikums Würzburg. Das Wichtigste in diesem Moment seien abführende Maßnahmen zur Mobilisierung der Stuhlreste aus den Aussackungen der Darmwand, sagte der Chirurg.

Das Rezidivrisiko sei mit sieben bis 45 Prozent allerdings hoch. Ab dem zweiten Schub entwickelten 60 Prozent der Patienten Komplikationen, und die Ansprechrate auf die konservative Therapie sinke, und zwar auf lediglich sieben Prozent nach dem dritten Schub.

Bei Immunsuppression Op eventuell noch früher

Ein zum Teil mit Kotballen gefüllter Sigmadivertikel, intraluminär mittels Koloskopie dargestellt. Foto: Meyer/Würzburg

Insofern sei es sinnvoll, bereits nach dem zweiten Schub eine Operation in Betracht zu ziehen. Selbstverständlich müsse die Indikation zur Operation aber individuell gestellt werden: So könne bei Patienten unter 40 Jahren, bei denen aggressive Verläufe häufiger seien als bei älteren Patienten, möglicherweise ein Eingriff bereits nach dem ersten Schub indiziert sein.

Das gleiche gelte für immunsupprimierte Patienten, bei denen die rasche Beseitigung des entzündlichen Fokus sinnvoll sei sowie für Dialysepatienten, die aufgrund des Flüssigkeitshaushaltes nur eingeschränkt konservativ behandelt werden könnten. Auch Patienten mit Hinweisen auf Komplikationen wie eine Fistel oder Strikturen müßten selbstverständlich frühzeitig chirurgisch behandelt werden.

Das Diagnoseverfahren der Wahl bei Patienten mit Verdacht auf Divertikulitis sei das Computertomogramm unter rektaler Kontrastmittelgabe - auch deshalb, weil bei diesem Verfahren ein eventuell vorhandener Abszeß in derselben Sitzung drainiert werden könne. Bei einer erstmaligen Blutung sollte allerdings koloskopisch ein Karzinom ausgeschlossen werden. Zur Lokalisation der Blutung, die bei drei bis 15 Prozent der Patienten auftrete, sei außer der Endoskopie beim akut blutenden Patienten auch eine Angiographie möglich. Therapeutisch kommt die Thermoablation oder die Unterspritzung mit Vasokonstriktiva in Frage.

Resektion des rektosigmoiden Übergangs ist Standard

Was die Operation angehe, so sei in der elektiven Situation die Sigmaresektion mit der Resektion des rektosigmoiden Übergangs der Standard, erinnerte Meyer. Der Zugangsweg - laparokopisch oder offen - hänge von der Erfahrung des Operateurs ab. Für die laparoskopische Vorgehensweise spreche ein verringerter Schmerzmittelbedarf und ein kürzerer stationärer Aufenthalt. In Studien sei die Zufriedenheit der Patienten nach drei Monaten allerdings gleich gewesen. Künftig könne die "fast track"-Therapie mit frühzeitiger Mobilisierung nach der offenen Operation allerdings den Zeitvorteil der Laparoskopie möglicherweise ausgleichen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Resistente Keime bedrohen Fortschritte aus Jahrzehnten

Jeder vierte Todesfall durch Antibiotika-resistente Keime weltweit wird durch Tuberkulose (TB) bedingt. Um die Situation zu verbessern, reichen neue Arzneien aber nicht aus, betonen TB-Experten. mehr »

Regelmäßiges Frühstück ist offenbar gut fürs Herz

Wer regelmäßig frühstückt, beugt damit offenbar kardiovaskulären Erkrankungen vor, berichtet die American Heart Association (AHA). mehr »

Sperma-Check per Smartphone-App

Millionen von Paaren weltweit wollen ein Kind, doch es klappt nicht. Die Ursachen liegen in etwa der Hälfte der Fälle beim Mann. Ein einfacher Test könnte Männern künftig die Untersuchung ihres Spermas erleichtern. mehr »