Ärzte Zeitung, 18.03.2005

Extra-Portion Kalzium verhindert neue Darmpolypen

1200 bis 2000 mg Kalzium täglich reduzieren Rezidivrate

BUFFALO (mal). Bei konsequenter Ergänzung der täglichen Nahrung mit Kalzium-Präparaten ist die Wahrscheinlichkeit, daß sich nach endoskopischer Entfernung adenomatöser Darmpolypen neue solche Polypen entwickeln, deutlich reduziert. Das bestätigen jetzt US-Forscher nach Durchsicht aller hierzu verfügbaren Literatur. Adenomatöse Darmpolypen gelten bekanntlich als Darmkrebs-Vorläufer.

Rotglänzend hebt sich hier ein 3 mm großer Polyp vom Darmgewebe ab. Foto: Patrick Rogalla

Für ihre Metaanalyse haben die Forscher um Dr. Aasma Shaukat von der Universität in Buffalo im US-Staat New York nur Studien berücksichtigt, in denen in einem prospektiven randomisierten Studiendesign mit Placebo-Kontrolle der Effekt einer Supplementation von Kalzium auf das Wiederauftreten adenomatöser Darmpolypen endoskopisch überprüft wurde.

Bisher seien nur drei Studien mit einem solchen Studiendesign veröffentlicht worden, so die US-Forscher (Am J Gastroenterol 100, 2005, 390).

Die gemeinsame Auswertung der Daten aller 1485 in diese drei Studien aufgenommenen Patienten ergab: Bei täglicher Ergänzung der Nahrung mit 1200 mg bis 2000 mg Kalzium ist nach endoskopischer Entfernung adenomatöser Darmpolypen die Rate von Patienten mit neuen adenomatösen Polypen um 20 Prozent geringer als bei Zugabe von Placebo.

In den drei berücksichtigten Studien wurden dabei die Kontroll-Endoskopien drei oder vier Jahre nach Studienbeginn gemacht. Die durch die Nahrung täglich aufgenommene Menge an Kalzium lag nach Auswertung der Ernährungsgewohnheiten zwischen 940 mg und 1600 mg.

Übereinstimmend mit Professor Robert S. Sandler von der Universität in Chape Hill im US-Staat North Carolina halten die US-Forscher Kalzium für einen vielversprechenden Kandidaten für eine Chemoprävention kolorektaler Adenome. Nur zwei Gründe dafür seien der Schutzeffekt bei guter Verträglichkeit.

Daten zum Effekt einer Kalzium-Supplementation auf die Darmkrebs-Inzidenz lägen - auch aufgrund der langen Entwicklungsdauer von Karzinomen aus adenomatösen Polypen - noch nicht vor, so Sandler in einem Editorial zur Metaanalyse (Am J Gastroenterol 10, 2005, 396).

Hier Informationen zu bekommen, sei ein Ziel etwa der laufenden Women’s Health Initiative-Studie, so Sandler. In dieser Studie wird der Effekt von Kalzium plus Vitamin D zur Prävention der Osteoporose geprüft, als sekundäres Zielkriterium wird etwa auch die Inzidenz kolorektaler Karzinome erfaßt.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar:
Täglich ein bißchen Krebs-Prävention

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text
Weitere Beiträge aus diesem Themenbereich

Gefahr im Vekehr oder alles im grünen Bereich?

Patienten, die Cannabispräparate in Dauermedikation haben, dürfen am Straßenverkehr teilnehmen. Eine wissenschaftliche Debatte über ein erhöhtes Verkehrssicherheitsrisiko wurde noch nicht geführt. mehr »

Frau hat keinen Anspruch auf Schmerzensgeld

Hat eine Frau Anspruch auf Schmerzensgeld, wenn ein Arztfehler zu Impotenz des Mannes führt? Das OLG Hamm verneint – und gibt eine Begründung. mehr »

Tausende Pfleger ergreifen die Flucht

Großbritannien gehen die Pflegekräfte aus: Zu groß ist die Unzufriedenheit mit dem System. Sie zeigt sich zunehmend auch bei Patienten. mehr »