Forschung und Praxis, 21.11.2005

Kosteneffektivität der virtuellen Koloskopie ist fraglich

Bei welchem Befund sollte zusätzlich eine reale Koloskopie gemacht werden?

Aufnahme eines 3 mm großen Polypen bei einer konventionellen Koloskopie. Fotos (3): Patrick Rogalla, Charité Berlin

Die dank hochauflösender Computertomographie und 3D-Rekonstruktion mögliche virtuelle Koloskopie gewinnt zunehmend Anhänger. Sie kann zumindest einem Teil der Betroffenen die unangenehme Darmspiegelung ersparen.

Trotz ihres etwas höheren Komforts hat sich Professor David Liebermann vom Veterans Affairs Medical Center in Portland im US-Bundesstaat Oregon in Berlin kritisch zur virtuellen Koloskopie geäußert. Der Grund: Sie lasse die Kosten des ohnehin nicht billigen Koloskopie-Screenings unnötig in die Höhe schnellen.

Liebermann rechnet folgendermaßen: Außer den Kosten für die virtuelle Koloskopie selbst entstehen bei ihrem Einsatz Zusatzkosten. Zum einen müssen die Koloskopien berechnet werden, die nötig sind, um virtuell aufgespürte Adenome real zu beseitigen. Zum anderen gibt es bei Computertomographien des Abdomens Zufallsbefunde, die dann häufig weiter abgeklärt werden müssen.

Die Frage der Kosteneffizienz einer virtuellen Koloskopie sei vor allem abhängig davon, bei welchem Befund die Indikation für eine reale Koloskopie angesetzt werde. Untersuchungen, die der virtuellen Koloskopie Kosteneffizienz bescheinigten, gingen meist davon aus, daß bei Polypen ab 9 mm Größe eine Koloskopie zur Polypektomie gemacht werde. "Das würde im Rahmen eines Screening-Programms heißen, daß etwa 5 bis 10 Prozent der virtuell Koloskopierten eine echte Koloskopie bekommen", so Liebermann.

Derselbe Polyp bei einer virtuellen Koloskopie, links mit hochauflösenden 1mm-CT und rechts im 5mm-CT. Fotos (3): Patrick Rogalla, Charité Berlin

Ganz anders sieht es aus, wenn die Grenze bei 5 mm angesetzt wird, was Liebermann für wesentlich realitätsnäher hält. Dann bekäme nämlich schon jeder dritte virtuell gescreente Mensch eine konventionelle Koloskopie. Das sei dann niemals kosteneffizient, so Liebermann in Berlin.

Diffizil wird es bei abdominellen Zufallsbefunden. Es gebe Studien, in denen 60 Prozent der Untersuchten Zufallsbefunde hatten; die meisten der Befunde waren klinisch irrelevant. Wenn nur ein Teil der Patienten mit Zufallsbefunden weiter untersucht würden, schnellen die Kosten der virtuellen Koloskopie weiter in die Höhe.

Auf der anderen Seite wurden in einer großen, kontrollierten Studie zur virtuellen Koloskopie immerhin 4,5 Prozent klinisch hoch-relevante Zufallsbefunde beschrieben. Wird hierbei zum Beispiel ein Nierenkarzinom im Frühstadium entdeckt und rechtzeitig operiert, kann sich dies wiederum kostensparend auswirken. (gvg)

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