Ärzte Zeitung online, 13.08.2008

Erste minimal-invasive Speiseröhren-Op bei Frühchen

TÜBINGEN (eb). Am Universitätsklinikum Tübingen gelang nach eigenen Angaben weltweit zum ersten Mal eine Operation bei einem Frühchen mit Ösophagus-Atresie. An der Klinik werden Neugeborene mit Erkrankungen der Speiseröhre schon seit geraumer Zeit routinemäßig minimal-invasiv operiert. Der Eingriff bei Frühchen ist jedoch komplizierter, weil sie sehr klein und ihre Organe noch unreif sind, teilt das Klinikum mit.

Sebastian kurz vor seiner Entlassung aus der Tübinger Kinderklinik.

Foto: Uniklinikum Tübingen

Am 23. Juni gelang dem Team um Professor Jörg Fuchs diese Operation erstmals bei einem Frühgeborenen. Der kleine Sebastian kam am 22. Juni 2008 in der 31. Schwangerschaftswoche zur Welt. Bei der Geburt wog er 1730 g bei einer Länge von 41 cm. Für eine Frühgeburt kein bedenkliches Leichtgewicht, doch der Junge litt unter einer Ösophagus-Atresie, bei der die Speiseröhre nicht durchgängig ist.

Der obere Anteil der Speiseröhre endete nach wenigen Zentimetern, der untere, vom Magen her kommende Teil hatte, wie häufig der Fall, Anschluss an die Luftröhre. Direkt nach der Geburt litt der Junge unter Hustenanfällen, konnte den Speichel nicht schlucken und hatte eine auffallend schwerfällige Anpassungsphase nach der Entbindung. Beim Versuch, eine Magensonde durch die Speisröhre zu platzieren, zeigte sich die fehlende Durchgängigkeit. Das Röntgenbild bestätigte den Verdacht auf eine Ösophagus-Atresie.

Einen Tag nach der Geburt korrigierten der Tübinger Kinderchirurg Fuchs und sein Team die Fehlbildung. In einer knapp zweieinhalbstündigen Operation wurde der Anschluss zur Luftröhre unterbrochen und die beiden Speiseröhrenanteile miteinander verbunden. Das Besondere an dem Eingriff: Der Säugling wog nur halb so viel wie ein reifes Neugeborenes und war als Frühchen vor allem hinsichtlich des Herz-Kreislaufsystems sowie der unvollständigen Lungen-Reife weniger stabil und belastbar.

Sebastian wurde minimal-invasiv operiert. Dieser Eingriff erforderte viel Fingerspitzengefühl, denn die Verbindung der Speiseröhrenanteile muss wasserdicht sein, darf aber andererseits nicht zu eng geraten, denn dann könnte Nahrung hängen bleiben.

Die Tübinger Kinderchirurgie ist nach eigenen Angaben die einzige Einrichtung in Baden-Württemberg und eines der wenigen Zentren in Deutschland, die diese Technik bei Ösophagus-Atresie routinemäßig anwenden. Zwar finden sich in der wissenschaftlichen Literatur Berichte über die minimal-invasive Korrektur bei Kindern mit Ösophagus-Atresie seit etwa 5 bis 8 Jahren, die erfolgreiche Operation bei einem Frühgeborenen in Sebastians Gewichts-Bereich sei jedoch bis dato weltweit noch nicht beschrieben worden. Der Fall zeige daher, dass auch sehr kleine Säuglinge von den Vorteilen dieses Vorgehens profitieren können, berichtet die Uniklinik.

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