Ärzte Zeitung online, 14.08.2008

Darmroboter entwickelt

PITTSBURGH (eb). Wissenschaftler an der Carnegie Mellon University (CMU) in den USA haben einen klitzekleinen Roboter entwickelt, der sich an der Darmwand verankern kann. Mit dem Gerät lässt sich in Zukunft vielleicht nicht nur die Diagnose verbessern, der Roboter könnte auch Blutungen stoppen oder Biopsien entnehmen.

Das Gerät in Form einer Kapsel wird wie eine normale Pille geschluckt und bewegt sich durch den Körper, bis der Darm erreicht ist, berichtet das Technologiemagazin "Technology Review" in seiner Online-Ausgabe. Dann kann der Arzt mithilfe einer drahtlosen Fernsteuerung bestimmen, an welchem Punkt der Roboter seine Ärmchen ausfahren soll, um sich im Körper zu befestigen. Das Prinzip eignet sich nicht nur für bildgebende Verfahren, sondern auch für Biopsien, die Anlieferung von Wirkstoffen, Wärmebehandlungen und andere Therapieformen am Ort des Geschehens, hoffen die CMU-Forscher.

Pillenkameras, die Bilder aus dem Darm übertragen können, werden bereits eingesetzt. Allerdings lassen sich ihre Bewegungen von außen nicht kontrollieren. Doch genau das hätte viele Vorteile, so Dr. Mark Schattner, Gastroenterologe am Memorial Sloan-Kettering Cancer Center, der die CMU-Studie kennt. "Anwendungsbereich Nummer eins wären Biopsien", schätzt er. Auch könne man mit dem Gerät womöglich Blutungen stoppen, wenn man Wunden damit abätzen oder lasern würde. "Das wäre therapeutisch sehr nützlich."

Derzeit arbeitet das CMU-Team aber zunächst daran, den wenige Zentimeter großen Roboter im Körper beweglich zu machen. Dazu mussten die Forscher erst einmal ein Haftmittel finden, das sich mehrfach an Gewebe wie Darm, Speiseröhre, Magen, Herz und Niere befestigen lässt, ohne dass die Haftkraft nachlässt. Inspiriert wurden die Wissenschaftler dabei von bestimmten Käferarten, die ihre Fußhaare mit einem ölartigen Sekret klebrig halten. Im Reagenzglas funktionierte die Technik an Darmgewebe bereits. Nächster Schritt sind nun Tierversuche.

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