Ärzte Zeitung, 11.03.2010

Wie wichtig ist die Leber für die Entwicklung von KHK?

Leberfett ist wichtig beim metabolischen Syndrom. Ob das auch für die kardiovaskuläre Ereigniskaskade gilt, ist weniger klar.

HANNOVER (gvg). Dr. Gianluca Perseghin vom Ospedale S. Raffaele in Mailand wies darauf hin, dass eine Leberverfettung zu einer Störung der endothelabhängigen Vasodilatation führt. "Gezeigt werden konnte auch, dass die koronare Flussreserve bei Patienten mit Lebersteatose eingeschränkt ist und dass eine nicht-alkoholische Fettleber (NAFLD) die myokardiale Glukoseextraktion reduziert", so Perseghin bei einer Falk-Veranstaltung in Hannover.

All das deute darauf hin, dass der Leber in der Pathogenese von kardiovaskulären Erkrankungen eine wichtige Bedeutung zukommt, so Perseghin. Eine andere Frage ist, ob die Leberverfettung ein Risikofaktor ist, der mit der Entstehung kardiovaskulärer Erkrankungen unabhängig von anderen Risikofaktoren assoziiert ist. Bekannt ist, dass der Gamma-GT-Wert bei unter 70-Jährigen mit der kardiovaskulären Todesrate korreliert. Auch ein erhöhter GOT-Spiegel könne als zusätzlicher Risikofaktor betrachtet werden, so Perseghin. Dies gelte zumindest bei Menschen, die nach üblichen kardiovaskulären Risikoscores ein niedriges bis mittleres kardiovaskuläres Risiko haben.

Eine epidemiologische Studie bei 85 Patienten mit NAFLD und 160 Kontrollprobanden hat einen Zusammenhang zwischen Leberfett und Intima-Media-Dicke ergeben. Und: "Der Zusammenhang war statistisch unabhängig von allen anderen Risikofaktoren", betonte Perseghin. Gegenläufig waren die Ergebnisse der Diabetes Heart Study: In einer Subgruppe von 623 Diabetikern wurde mittels CT das Leberfett bestimmt. "Es gab dabei keine Korrelation zum koronaren Kalziumscore".

Perseghins Fazit: "Bekannt ist, dass eine hepatisch induzierte Insulinresistenz im Tiermodell ausreicht, um Dyslipidämie und Atherosklerose hervorzurufen. Beim Menschen ist die Evidenz dafür eher schwach." Klinisch sei die Korrelation zwischen Leberfett und Diabetes wesentlich stärker als die zwischen Leberfett und kardiovaskulären Erkrankungen.

Schreiben Sie einen Kommentar

Überschrift

Text

Sind Computer bald die besseren Therapeuten?

Immer mehr Online-Psychotherapien drängen auf den Markt. Die meisten sind weder besonders einfühlsam noch allzu intelligent. Dennoch sind die Erfolge erstaunlich. mehr »

Kollege Computer, übernehmen Sie!

Eine computer-basierte Verhaltenstherapie kann Insomnie-Patienten den Schlaf zurückgeben. Der Erfolg ist ähnlich gut wie durch menschliche Therapeuten, bescheinigt ein kalifornischer Professor. mehr »

Kein frisches Geld in Sicht

Die umfassende Studien-reform soll zunächst ohne zusätzliches Geld auskommen. Darauf haben sich Bund und Länder geeinigt, wie aus dem vertraulichen Papier hervorgeht. mehr »